Segeln Grundlagen Kurse zum Wind: Am Wind, Halbwind, Raumschots und Vorwindkurs

Kurse zum Wind: Am Wind, Halbwind, Raumschots und Vorwindkurs

Alle Kurse zum Wind im Überblick: Am Wind, Halbwind, Raumschots und Vorwindkurs – mit Winkeln, scheinbarem Wind, Anluven und Abfallen für die SBF-Prüfung.

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Skipper Prüfungsfit
Updated: 2026-08-27

Ein Segelboot kann nicht direkt gegen den Wind fahren – aber auf fast allen anderen Kursen nutzt es den Wind als Antrieb. Die Kurse zum Wind beschreiben den Winkel zwischen der Windrichtung und der Fahrtrichtung des Bootes. Sie sind das Fundament der gesamten Segeltheorie: Wer die Kurse sicher benennen kann, versteht auch Segelstellung, Manöver und Ausweichregeln. In der Theorieprüfung zum Sportbootführerschein Binnen unter Segel gehören Fragen zu den Kursen zum Wind zum Standardrepertoire, und auch für den späteren SKS-Schein bilden sie die Grundlage.

Kurz & knapp

- Kurse zum Wind beschreiben den Winkel zwischen Windrichtung und Fahrtrichtung
- Im Wind (ca. 0°): kein Vortrieb, die Segel killen – dieser Bereich ist „tot"
- Hoch am Wind: ca. 45° zum Wind, der spitzeste segelbare Kurs
- Halbwind: ca. 90°, der Wind kommt genau von der Seite
- Raumschots: der Wind kommt schräg von achtern (ca. 120–150°)
- Vor dem Wind: ca. 180°, der Wind kommt direkt von achtern
- Anluven = näher an den Wind drehen, Abfallen = vom Wind wegdrehen
- Der Verklicker zeigt den scheinbaren Wind, nicht den wahren Wind

Warum die Kurse zum Wind so wichtig sind

Die Kursbezeichnungen sind mehr als Vokabeln. Jeder Kurs verlangt eine eigene Segelstellung, ein eigenes Fahrgefühl und ein anderes Verhalten des Bootes. Außerdem knüpfen die Ausweichregeln unter Segel direkt daran an: Ob ein Boot den Wind von Backbord oder von Steuerbord bekommt und ob es luv- oder leewärts eines anderen Bootes segelt, entscheidet über Wegerecht und Ausweichpflicht. In der praktischen Prüfung muss der Kandidat Kurse ansteuern, halten und wechseln können – ohne die Begriffe geht das nicht.

Grundsätzlich gilt: Bezugsgröße ist immer die Richtung, aus der der Wind weht. Ein Boot „am Wind" segelt also möglichst dicht an die Windrichtung heran, ein Boot „vor dem Wind" läuft mit dem Wind im Rücken.

Die Kurse im Überblick

KursWinkel zum wahren Wind (ca.)SegelstellungMerkmale
Im Wind (tot)0° bis ca. ±45°Segel killen, kein Trimm möglichKein Vortrieb, Boot verliert Fahrt
Hoch am Windca. 45°Segel dicht geholtSpitzester segelbarer Kurs, deutliche Krängung
Halbwindca. 90°Segel etwa halb gefiertWind quer zum Boot, meist schneller, gut kontrollierbarer Kurs
Raumschots (raumer Wind)ca. 120–150°Segel weit gefiertWind schräg von achtern, wenig Krängung, hohe Fahrt
Vor dem Windca. 180°Segel ganz gefiert, ggf. Fock nach Luv („Schmetterling")Wind direkt von achtern, Gefahr der Patenthalse
Die Winkelangaben sind Richtwerte: Wie hoch ein Boot tatsächlich an den Wind gehen kann, hängt von Rumpfform, Rigg und Segeln ab. Moderne Jollen und Yachten erreichen etwa 45 Grad zum wahren Wind, klassische oder gemütlichere Boote deutlich weniger.

Der tote Winkel

Der Bereich von etwa 45 Grad beiderseits der Windrichtung lässt sich nicht besegeln. Steuert man in diesen Sektor, beginnen die Segel zu killen (zu flattern), der Vortrieb bricht zusammen und das Boot verliert Fahrt, bis es schließlich „im Wind steht". Aus diesem Zustand hilft nur Abfallen auf einen segelbaren Kurs – oder man nutzt den Effekt bewusst, etwa beim Aufstoppen vor einer Boje oder beim Anlegen.

Anluven und Abfallen

Zwei Begriffe beschreiben jede Kursänderung relativ zum Wind:

  • Anluven: Das Boot dreht mit dem Bug näher an die Windrichtung heran, zum Beispiel von Halbwind auf einen Am-Wind-Kurs. Die Segel müssen dabei dichter geholt werden.
  • Abfallen: Das Boot dreht mit dem Bug vom Wind weg, zum Beispiel von Halbwind auf Raumschots. Die Segel werden gefiert.
Merksatz: „An den Wind heran heißt anluven, vom Wind weg heißt abfallen." Wichtig für die Prüfung: Anluven und Abfallen beschreiben die Drehrichtung relativ zum Wind – nicht nach Backbord oder Steuerbord. Auf welcher Seite der Wind einfällt, entscheidet, in welche Richtung das Ruder gelegt wird.

Die Seite, auf der das Großsegel gefahren wird, ist die Leeseite; die dem Wind zugewandte Seite ist die Luvseite. Liegt das Großsegel über Steuerbord, segelt das Boot mit Wind von Backbord – und umgekehrt. Diese Zuordnung ist die Basis der Ausweichregeln unter Segel.

Wahrer und scheinbarer Wind

Der wahre Wind ist der Wind, der tatsächlich über dem Wasser weht – ihn spürt ein vor Anker liegendes Boot. Sobald das Boot Fahrt aufnimmt, kommt der Fahrtwind hinzu: ein Luftstrom von vorn, genau entgegen der Fahrtrichtung. Beide addieren sich vektoriell zum scheinbaren Wind, den Besatzung, Segel und Verklicker an Bord wahrnehmen.

Daraus folgen zwei prüfungsrelevante Effekte:

  1. Auf Am-Wind-Kursen ist der scheinbare Wind stärker als der wahre Wind und fällt vorlicher (spitzer) ein.
  2. Auf Vorwindkursen ist der scheinbare Wind schwächer als der wahre Wind, weil der Fahrtwind ihm entgegenwirkt.
Praktische Konsequenz: Wer vor dem Wind segelt, unterschätzt leicht die tatsächliche Windstärke. Beim Anluven auf einen Am-Wind-Kurs nimmt der scheinbare Wind spürbar zu – das Boot krängt stärker, und gegebenenfalls muss gerefft werden. Getrimmt wird immer nach dem scheinbaren Wind, denn nur er wirkt auf die Segel. Mehr zur Windentstehung und zur Beaufortskala steht im Artikel zur Wetterkunde.

Kreuzen: Wenn das Ziel im Wind liegt

Liegt das Ziel genau in der Richtung, aus der der Wind weht, muss das Boot kreuzen: Es segelt abwechselnd hoch am Wind mit Wind von Backbord und mit Wind von Steuerbord und arbeitet sich im Zickzack gegen den Wind voran. Der Übergang von einem Bug auf den anderen erfolgt durch die Wende, bei der der Bug durch den Wind dreht. Die einzelnen Abschnitte heißen Schläge. Wie die Wende – und ihr Gegenstück, die Halse – im Detail funktioniert, zeigt der Artikel zu den Segelmanövern.

Merksätze für die Prüfung

  • „Ein Segelboot kann nicht direkt gegen den Wind segeln" – der tote Winkel umfasst rund 90 Grad (ca. 45 Grad je Seite).
  • „Hoch am Wind ca. 45, Halbwind 90, vor dem Wind 180" – die drei Ankerwerte, aus denen sich alle Kurse ableiten lassen.
  • „Anluven: dichter holen – Abfallen: fieren" – Kursänderung und Segelarbeit gehören immer zusammen.
  • „Der Verklicker lügt nie, aber er zeigt den scheinbaren Wind" – Trimm und Kurssteuerung richten sich nach dem scheinbaren Wind.
  • „Großsegel in Lee, Wind aus Luv" – die Segelseite verrät, von wo der Wind kommt.
Wer diese Zusammenhänge verinnerlicht hat, beantwortet die Theoriefragen zu den Kursen zum Wind sicher und hat zugleich das Rüstzeug für Segelstellung, Manöver und Ausweichregeln. Zum gezielten Üben der amtlichen Prüfungsfragen bietet sich der Lernbereich an.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Kurse zum Wind gibt es?

Vom Wind ausgehend: Am-Wind, Halbwind, Raumschots und Vorwind.1 Der Bereich, aus dem ein Segelboot nicht segeln kann, heißt Toter Winkel oder „im Wind" und umfasst je nach Boot etwa 45 Grad zu beiden Seiten der Windrichtung.

Was bedeutet „Wind von Backbord"?

Der Wind kommt von der Backbordseite ein; das Großsegel steht dann auf Steuerbord. Für die Ausweichregeln ist das entscheidend: Nach Regel 12 KVR weicht das Fahrzeug mit Wind von Backbord aus.

Wie erkenne ich, welche Seite Luv ist?

Luv ist die dem Wind zugewandte Seite, Lee die abgewandte. Nach Regel 12 gilt als Luvseite die Seite, die dem gesetzten Großsegel gegenüberliegt.2

Warum kann ich nicht direkt gegen den Wind segeln?

Weil die Segel dann keinen Vortrieb erzeugen, sondern nur killen. Das Ziel in Luv wird deshalb durch Kreuzen erreicht – abwechselnde Am-Wind-Schläge über Backbord und Steuerbord, verbunden durch Wenden.

Was ist der scheinbare Wind?

Die Kombination aus wahrem Wind und Fahrtwind – also der Wind, den man an Bord tatsächlich spürt und nach dem die Segel getrimmt werden. Auf Vorwindkursen ist er schwächer, auf Am-Wind-Kursen stärker als der wahre Wind.

Quellen

  1. ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes. https://www.elwis.de/DE/Sportschifffahrt/Sportschifffahrt-node ↩
  2. Deutscher Segler-Verband, Fragen- und Antwortenkatalog zum Fachkundenachweis für Seenotsignalmittel. https://www.dsv.org/app/uploads/2015/02/Fachkunde_Fragen-_und_Antwortenkatalog_Anlage_2.pdf ↩

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