Theorie besteht man mit Wissen – den praktischen Teil der UBI-Prüfung nur mit sicheren Funkabläufen. Ob Anmeldung an der Schleuse, Absprache mit einem Frachter oder Notmeldung nach einer Grundberührung: Im Binnenschifffahrtsfunk folgt jedes Gespräch festen Mustern, die Missverständnisse ausschließen und den Kanal so kurz wie möglich belegen. Dieser Artikel führt durch Anruf und Antwort, die Rangfolge des Funkverkehrs, den Notverkehr binnen und die typischen Situationen der UBI-Prüfung.
Kurz & knapp
- Anrufschema: Name der Gegenstelle (bis zu 3×), „hier ist", eigener Schiffsname, Anliegen
- Rangfolge: Notverkehr vor Dringlichkeits- vor Sicherheits- vor Routineverkehr
- Notmeldungen binnen laufen über Sprechfunk im Verkehrskreis Schiff–Schiff (Kanal 10) oder über den Revierkanal – kein Kanal 16, kein DSC
- Buchstabiert wird nach dem internationalen Buchstabieralphabet, Zahlen Ziffer für Ziffer
- Durchgänge kurz halten, mit „over" abgeben, Gespräche mit „Ende" abschließen
- Die UBI-Theorieprüfung umfasst 22 Fragen in 60 Minuten, mindestens 17 müssen richtig sein
- Die praktische Prüfung besteht aus Textaufnahme, Textabgabe und Gerätebedienung mit Fallbeispielen
- Für Inhaber von SRC, ROC, LRC oder GOC verkürzt sich die Theorie auf 10 Fragen in 30 Minuten, mindestens 8 richtig
- Testsendungen dauern höchstens 10 Sekunden und enthalten Rufname und das Wort „Test"
Anruf und Antwort: das Grundmuster
Jedes Funkgespräch beginnt mit dem Anruf auf dem richtigen Kanal – welcher das ist, ergibt sich aus dem Verkehrskreis und dem Handbuch Binnenschifffahrtsfunk (siehe Verkehrskreise und Kanäle).1 Das Grundmuster:
Anruf: „Schleuse Brunsbüttel, Schleuse Brunsbüttel – hier ist Sportboot Albatros, Sportboot Albatros – over."
Antwort: „Sportboot Albatros – hier ist Schleuse Brunsbüttel – kommen."
Anliegen: „Schleuse Brunsbüttel – hier ist Sportboot Albatros – erbitte Schleusung zu Berg – over."
Der Name der Gegenstelle darf bei schwierigen Bedingungen bis zu dreimal genannt werden; bei guter Verbindung genügt einmal. Danach folgen „hier ist" und der eigene Schiffsname – im Binnenfunk mit vorangestellter Fahrzeugart („Sportboot", „Motoryacht"), damit die Berufsschifffahrt sofort weiß, mit wem sie es zu tun hat. Jeder Durchgang endet mit dem Abgabewort („over"/„kommen"), das letzte mit „Ende". Grundregeln dazu: erst hören, ob der Kanal frei ist, dann sprechen; kurz und sachlich bleiben; die Sprechtaste erst drücken und einen Moment warten, bevor man spricht – sonst fehlt der Satzanfang.
Rangfolge des Funkverkehrs
Wie im Seefunk gilt auch binnen eine feste Rangfolge, an der sich jede Aussendung messen lassen muss:
| Rang | Verkehrsart | Kennzeichnung |
|---|---|---|
| 1 | Notverkehr | MAYDAY (3×) |
| 2 | Dringlichkeitsverkehr | PAN PAN (3×) |
| 3 | Sicherheitsverkehr | SÉCURITÉ (3×) |
| 4 | Routineverkehr | ohne besonderes Zeichen |
Notverkehr im Binnenbereich
Der wichtigste Unterschied zum Seefunk: Binnen gibt es keinen Kanal 16 und keinen DSC-Notalarm. Eine Notmeldung wird im Sprechfunk abgesetzt – in der Regel im Verkehrskreis Schiff–Schiff auf Kanal 10, alternativ oder zusätzlich auf dem Revierkanal der Nautischen Information, wo die Verkehrszentrale ständig mithört und Hilfe koordinieren kann. Das Schema entspricht dem Seefunk:
„MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY – hier ist Sportboot Albatros, Sportboot Albatros, Sportboot Albatros – Position Rhein, Kilometer 555, bei Tonne 12 – Wassereinbruch nach Grundberührung, drohen zu sinken – benötigen sofortige Hilfe – zwei Personen an Bord – over."
Statt Breite und Länge wird die Position binnen praktisch immer über Wasserstraße und Stromkilometer angegeben, ergänzt um markante Punkte (Tonne, Brücke, Hafeneinfahrt). Wer eine Notmeldung empfängt und helfen kann, antwortet; andernfalls gilt Funkstille auf dem Kanal, bis der Notverkehr beendet ist. Auch die ATIS-Kennung läuft im Notverkehr automatisch mit und hilft der Leitstelle bei der Zuordnung (siehe ATIS).
Buchstabieren und Zahlen
Unverständliche Namen und wichtige Angaben werden buchstabiert – auch binnen nach dem internationalen Buchstabieralphabet (Alfa, Bravo, Charlie …), das im Artikel Funkenglisch-Basics vollständig abgedruckt ist. Der Bootsname „Juno" wird also zu „Juliett – Uniform – November – Oscar". Zahlen spricht man Ziffer für Ziffer: Der Stromkilometer 555 heißt „fünf – fünf – fünf", der Kanal 10 „eins – null". Uhrzeiten werden vierstellig angegeben („null acht drei null"). Diese Disziplin wirkt anfangs umständlich, verhindert aber genau die Hörfehler, die bei Maschinenlärm und schwachem Signal entstehen.
Typische Gespräche aus dem Revieralltag
Drei Situationen, die in Prüfung und Praxis immer wiederkehren:
- Schleusenanmeldung: Anruf auf dem Schleusenkanal, Fahrzeugart und Name, Standort, Fahrtrichtung, Anliegen („erbitte Schleusung zu Tal"). Die Schleuse antwortet mit Wartezeit und Einfahrtsreihenfolge – Anweisungen werden kurz bestätigt.
- Absprache mit der Berufsschifffahrt: Ein Güterschiff kündigt auf Kanal 10 an, an einer Engstelle zu überholen. Das Sportboot bestätigt und hält den vereinbarten Weg frei. Kurze, eindeutige Antworten sind hier wichtiger als vollständige Sätze.
- Anruf der Verkehrszentrale: Auf Revieren mit Meldepflicht oder bei Sperrungen ruft die Zentrale Fahrzeuge direkt an; empfangsbereite Anlagen und die Abhörpflicht auf dem Revierkanal sind deshalb keine Formalie.
Die UBI-Prüfung: Aufbau und Vorbereitung
Die Prüfung zum UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk (UBI) besteht aus Theorie und Praxis. Im Theorieteil ist ein Fragebogen mit 22 Fragen in 60 Minuten zu lösen, von denen mindestens 17 richtig beantwortet sein müssen; je Frage ist genau eine von vier Antworten richtig. Wer bereits SRC, ROC, LRC oder GOC besitzt, legt eine Ergänzungsprüfung mit 10 Fragen in 30 Minuten ab, von denen 8 richtig sein müssen.2
Die praktische Prüfung besteht nach der Darstellung der zuständigen Stelle aus drei Teilen: Textaufnahme (Mitschrift eines vorgelesenen Textes unter Anwendung der ITU-Buchstabiertafel), Textabgabe (eigenes Vorlesen eines Textes) und der Bedienung des Geräts anhand von Fallbeispielen – dabei ist die geschilderte Situation als Not-, Dringlichkeits-, Sicherheits- oder Routinegespräch einzuordnen und die passende Meldung abzusetzen.2 Als Dauer sind üblicherweise rund 15 Minuten je Bewerber angesetzt; eine amtlich festgelegte Höchstdauer ist nicht veröffentlicht.
Zur Funkdisziplin gehört auch die Testsendung: Sie ist auf höchstens 10 Sekunden zu begrenzen und mit dem Rufnamen sowie dem Wort „Test" abzusetzen. Das Handbuch Binnenschifffahrtsfunk mit Allgemeinem und Regionalem Teil ist mitzuführen; seit 2018 genügt auch die digitale Form, sofern sie jederzeit lesbar verfügbar ist.3
Für die Vorbereitung gilt: Abläufe laut sprechen, bis sie sitzen. Der Funkspruch-Trainer simuliert Anruf, Antwort und Notmeldung interaktiv; den Theoriestoff deckt der Themenbereich Binnenfunk ab, und der Lernbereich führt strukturiert durch alle Prüfungsthemen. Wer zusätzlich das SRC anstrebt, profitiert doppelt – viele Verfahren sind deckungsgleich, die Unterschiede (Kanal 16, DSC, MMSI) müssen aber sauber getrennt bleiben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Auf welchem Kanal setze ich binnen eine Notmeldung ab?
Im Sprechfunk, in der Regel im Verkehrskreis Schiff–Schiff auf Kanal 10, alternativ oder zusätzlich auf dem Revierkanal der Nautischen Information. Einen Kanal 16 und einen DSC-Notalarm gibt es im Binnenschifffahrtsfunk nicht.
Wie gebe ich meine Position binnen an?
Über Wasserstraße und Stromkilometer, ergänzt um markante Punkte wie Tonne, Brücke oder Hafeneinfahrt – nicht über Breite und Länge. Beispiel: „Rhein, Kilometer 555, bei Tonne 12".
Wie ist die Rangfolge des Funkverkehrs?
Notverkehr (MAYDAY) vor Dringlichkeitsverkehr (PAN PAN) vor Sicherheitsverkehr (SÉCURITÉ) vor Routineverkehr. Höherrangiger Verkehr darf niedrigeren jederzeit unterbrechen.
Wie lang darf eine Testsendung sein?
Höchstens 10 Sekunden, abzusetzen mit dem Rufnamen und dem Wort „Test".
Wie läuft die UBI-Prüfung ab?
Theorie: 22 Fragen in 60 Minuten, mindestens 17 richtig. Für Inhaber von SRC, ROC, LRC oder GOC verkürzt sich das auf eine Ergänzungsprüfung mit 10 Fragen in 30 Minuten, von denen 8 richtig sein müssen. Praxis: Textaufnahme, Textabgabe und Gerätebedienung mit Fallbeispielen, in der Regel rund 15 Minuten.
Quellen
- ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice, Sprechfunkzeugnisse und Binnenschifffahrtsfunk. https://www.elwis.de/DE/Schifffahrtsrecht/Sprechfunkzeugnisse/Sprechfunkzeugnisse-node ↩
- Amt für Binnen-Verkehrstechnik (ABVT), zuständige Stelle nach der Binnenschifffahrt-Sprechfunkverordnung – Hinweise zum Prüfungsablauf: Vollprüfung 22 Fragen in 60 Minuten, bestanden ab 17 Punkten; Ergänzungsprüfung SRC/ROC und LRC/GOC auf UBI 10 Fragen in 30 Minuten, bestanden ab 8 Punkten; praktische Prüfung aus Textaufnahme, Textabgabe und Gerätebedienung mit Fallbeispielen. https://www.abvt.wsv.de/Webs/WSA/ABVT/DE/UKW-Sprechfunkzeugnisse/UBI_node.html ↩
- Radio Offshore, Binnenschifffahrtsfunk – Verkehrskreise, Regeln und UBI-Prüfungswissen (Testsendungen, digitale Mitführung des Handbuchs). https://src-lrc-ubi.de/glossar-binnenschifffahrtsfunk/ ↩