Sturmwarnung, treibende Container, ausgefallene Leuchtfeuer: Wer auf See unterwegs ist, muss solche Informationen rechtzeitig erhalten. Im GMDSS übernimmt das der Dienst NAVTEX – ein automatischer Empfangsdienst für nautische Warnnachrichten, Wetterberichte und Seenotinformationen (Maritime Safety Information, MSI). Ein NAVTEX-Empfänger läuft ohne Bedienereingriff mit, druckt oder speichert eingehende Nachrichten und sortiert dabei selbstständig aus, was für das eigene Fahrtgebiet relevant ist. Für die SRC-Prüfung gehören Frequenzen, Nachrichtenarten und der Aufbau der Nachrichtenkennung zum Standardstoff.
Kurz & knapp
- NAVTEX ist der GMDSS-Dienst für Maritime Safety Information (MSI) in Küstengewässern
- Internationale Frequenz: 518 kHz, Aussendungen in englischer Sprache
- Nationale Frequenz: 490 kHz, Aussendungen in der jeweiligen Landessprache
- Jede Nachricht trägt eine Kennung aus Stationsbuchstabe (B1), Nachrichtenart (B2) und laufender Nummer (B3B4)
- Wichtige Nachrichtenarten: A = Nav-Warnungen, B = Sturmwarnungen, D = SAR-Informationen, E = Wettervorhersagen
- Die Arten A, B und D lassen sich am Empfänger nicht abschalten
- Die Stationen senden zeitversetzt nach festem Sendeplan, die Reichweite liegt bei einigen hundert Seemeilen
Was ist NAVTEX?
NAVTEX (Navigational Telex) ist ein internationaler Fernschreibdienst: Küstenfunkstellen strahlen Textnachrichten aus, die ein spezieller Empfänger an Bord automatisch aufnimmt. Der Dienst ist Teil des weltweiten Systems zur Verbreitung von Sicherheitsinformationen im GMDSS und deckt vor allem die Küstengewässer bis etwa 250 bis 400 Seemeilen Entfernung von der Sendestation ab – also genau den Bereich, in dem Sportboote unterwegs sind.
Der große Vorteil gegenüber dem Abhören von Sprechfunk-Wetterberichten: NAVTEX arbeitet unbeaufsichtigt. Nachrichten gehen nicht verloren, weil niemand am Funkgerät saß; der Empfänger speichert sie und unterdrückt bereits empfangene Wiederholungen automatisch.
Frequenzen: 518 kHz und 490 kHz
NAVTEX nutzt weltweit einheitliche Frequenzen im Grenzwellenbereich:
| Frequenz | Dienst | Sprache |
|---|---|---|
| 518 kHz | internationaler NAVTEX-Dienst | Englisch |
| 490 kHz | nationaler NAVTEX-Dienst | Landessprache der ausstrahlenden Station |
Aufbau einer NAVTEX-Nachricht
Jede NAVTEX-Nachricht beginnt mit der Zeichenfolge „ZCZC" und einer vierstelligen Kennung, die der Empfänger zur Filterung nutzt; sie endet mit „NNNN". Die Kennung besteht aus:
- B1 – Stationskennbuchstabe: identifiziert die Sendestation (A–Z). Jede Station eines NAVTEX-Gebiets hat einen eigenen Buchstaben und feste Sendezeiten, damit sich die Stationen nicht gegenseitig stören.
- B2 – Nachrichtenart: ein Buchstabe für den Inhaltstyp (siehe Tabelle unten).
- B3B4 – laufende Nummer: zweistellige Seriennummer der Nachricht. Die Nummer 00 ist wichtigen Nachrichten vorbehalten, die der Empfänger immer ausgibt.
Die Nachrichtenarten
Der Buchstabe B2 kennzeichnet den Inhalt der Nachricht. Die wichtigsten Arten:
| B2 | Nachrichtenart |
|---|---|
| A | Nautische Warnnachrichten (Navigational Warnings) |
| B | Sturmwarnungen (Gale Warnings) |
| C | Eisberichte |
| D | Informationen zu Suche und Rettung (SAR), Piraterie-Warnungen |
| E | Wettervorhersagen |
| L | weitere nautische Warnnachrichten |
Empfänger richtig bedienen
Ein NAVTEX-Empfänger will vor dem Törn einmal sinnvoll konfiguriert werden:
- Frequenzwahl: 518 kHz und – falls angeboten – 490 kHz aktivieren.
- Stationswahl (B1): nur die Stationen des Fahrtgebiets auswählen. Wer alle Stationen empfängt, wird mit Nachrichten aus fernen Seegebieten überschwemmt.
- Nachrichtenarten (B2): nicht benötigte Kategorien abwählen; A, B und D bleiben systembedingt immer aktiv.
- Kontrolle: regelmäßig prüfen, ob neue Nachrichten vorliegen, und Sturm- sowie Nav-Warnungen in die Törnplanung übernehmen.
Grenzen des Systems
NAVTEX ersetzt weder den Wetterbericht vor dem Auslaufen noch eigene Beobachtung. Die Reichweite hängt von Tageszeit und Ausbreitungsbedingungen ab, und zwischen den Sendezeiten einer Station können Stunden liegen. Auf längeren Törns gehört deshalb beides zusammen: NAVTEX als automatischer Grundpegel an Information, ergänzt durch Seewetterberichte über Sprechfunk oder Internetdienste – und bei aufziehendem Schlechtwetter durch gute Seemannschaft, etwa das richtige Verhalten bei verminderter Sicht.
Prüfungsrelevanz
Typische Prüfungsfragen zum NAVTEX-Komplex betreffen die beiden Frequenzen mit ihrer Sprachregelung, die Bedeutung der Kennung B1B2B3B4, die nicht abschaltbaren Nachrichtenarten und die Einordnung von NAVTEX als MSI-Dienst des GMDSS. Wer zusätzlich die Systematik der übrigen GMDSS-Komponenten – etwa EPIRB und SART oder den digitalen Selektivruf DSC – sicher zuordnen kann, hat den Theorieteil des SRC gut im Griff. Zum systematischen Lernen aller Themen bietet sich der Lernbereich an.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Auf welchen Frequenzen sendet NAVTEX?
Auf 518 kHz läuft der internationale Dienst, ausgestrahlt ausschließlich in englischer Sprache. Auf 490 kHz senden viele Länder zusätzlich einen nationalen Dienst in der Landessprache. Merksatz: 518 international und englisch, 490 national und in Landessprache.
Wie ist eine NAVTEX-Kennung aufgebaut?
Aus vier Zeichen: B1 ist der Stationskennbuchstabe der Sendestation, B2 die Nachrichtenart, B3B4 die laufende Nummer. „SA47" steht damit für Station S, Nachrichtenart A (nautische Warnnachricht), Nummer 47.
Welche Nachrichtenarten kann ich nicht abschalten?
A (nautische Warnnachrichten), B (Sturmwarnungen) und D (Informationen zu Suche und Rettung). Diese drei gibt der Empfänger immer aus. Ebenso wird die laufende Nummer 00 stets ausgegeben, weil sie wichtigen Nachrichten vorbehalten ist.
Wie weit reicht NAVTEX?
Je nach Station und Ausbreitungsbedingungen etwa 250 bis 400 Seemeilen – also genau der Küstenbereich, in dem Sportboote unterwegs sind.
Muss ich den Empfänger bedienen?
Nein. NAVTEX arbeitet unbeaufsichtigt: Der Empfänger nimmt Nachrichten automatisch auf, speichert sie und unterdrückt bereits empfangene Wiederholungen. Das ist der wesentliche Vorteil gegenüber dem Abhören von Wetterberichten im Sprechfunk.
Quellen
- Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Nautische Warnnachrichten und Maritime Safety Information. https://www.bsh.de/DE/THEMEN/Nautische_Informationen/nautische-informationen_node.html ↩
- ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice, Informationen zum Seefunkdienst und zu Warnnachrichten. https://www.elwis.de/DE/Schifffahrtsrecht/Sprechfunkzeugnisse/Sprechfunkzeugnisse-node ↩