Seemannschaft Manoever Mensch über Bord: Sofortmaßnahmen, Manöver und Rettung

Mensch über Bord: Sofortmaßnahmen, Manöver und Rettung

Mensch-über-Bord-Manöver für die SBF-Prüfung: Sofortmaßnahmen, sichere Annäherung unter Motor und Segel, Bergung und Schutz vor Unterkühlung.

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Skipper Prüfungsfit
Updated: 2026-08-27

Das Rettungsmanöver (Mensch über Bord) ist nach Anlage 4 SpFV ein Pflichtmanöver – unter Maschine und, wenn die praktische Prüfung unter Segel abgelegt wird, auch unter Segel. Jede Pflichtaufgabe muss ausreichend ausgeführt werden; pro Manöver gibt es zwei Versuche.1 Dieser Artikel behandelt die gemeinsamen Sofortmaßnahmen, sichere Annäherungsverfahren, die Bergung und die Gefahr der Unterkühlung.

Kurz & knapp

- Sofort laut „Mensch über Bord" rufen – die gesamte Crew muss alarmiert sein
- Rettungsmittel (Rettungsring, Rettungskragen) unverzüglich achteraus zur Person werfen
- Ein Crewmitglied wird Ausguck und zeigt ununterbrochen mit ausgestrecktem Arm auf die Person
- Fahrt kontrollieren und die Schraube von der Person weghalten
- Die Aufnahmeseite und Annäherung hängen von Boot, Wind, Seegang und Bergungsmöglichkeit ab; die SpFV schreibt keine pauschale Leeseite vor
- Unterkühlte Personen möglichst wenig bewegen, vor weiterer Auskühlung schützen und früh Hilfe alarmieren
- Wird die Person nicht sofort gefunden: Notruf absetzen, auf See DGzRS alarmieren

Sofortmaßnahmen in den ersten Sekunden

Fällt eine Person über Bord, laufen mehrere Maßnahmen praktisch gleichzeitig an. Der Sicherheitsleitfaden des Bundes nennt Alarmruf, Rettungsmittel, Ausguck, Zeigen, Positionssicherung, Notruf und das Klarmachen der Bergungsausrüstung als weitgehend gemeinsame Sofortmaßnahmen.2

  1. Alarmieren: Wer den Sturz bemerkt, ruft laut „Mensch über Bord!" – die gesamte Crew muss sofort wissen, was geschehen ist.
  2. Rettungsmittel werfen: Rettungsring oder Rettungskragen unverzüglich achteraus in Richtung der Person werfen. Das Rettungsmittel stützt die Person und markiert zugleich die Position im Wasser.
  3. Ausguck einteilen: Ein Crewmitglied erhält ausschließlich die Aufgabe, die Person ununterbrochen zu beobachten und mit ausgestrecktem Arm auf sie zu zeigen. Bei Wellengang oder Dunkelheit ist eine Person im Wasser sonst innerhalb weniger Sekunden aus dem Blick verloren.
  4. Fahrt und Schraube kontrollieren: Das Heck mit der Schraube von der Person wegdrehen und die Fahrt so reduzieren, dass keine zusätzliche Gefahr entsteht.
  5. Position sichern: Verfügt das Boot über GPS, wird die MOB-Taste gedrückt; zusätzlich Uhrzeit merken.
Merksatz: Rufen – Werfen – Zeigen – Fahrt kontrollieren. Diese Sofortmaßnahmen müssen ohne Nachdenken sitzen.

Das MOB-Manöver unter Motor

Die SpFV verlangt das Rettungsmanöver, schreibt aber weder eine pauschale Aufnahmeseite noch einen einzigen Anfahrweg vor.1 Die Methode muss zum Boot, zur Bergestelle, zum Wind und zum Seegang passen. Ein Ausbildungsmanual der Royal National Lifeboat Institution unterscheidet zwei Grundverfahren:3

  1. Anfahrt gegen Wind und See: Unterhalb der Person Position beziehen, mit Mindestfahrt gegen Wind und See anlaufen, die Crew über die vorgesehene Aufnahmeseite informieren und den Antrieb im Nahbereich nur so einsetzen, dass die Schraube keine Gefahr bildet.
  2. Drift-down-Verfahren: Das Boot quer zum Wind in Luv der Person positionieren und kontrolliert zu ihr hinuntertreiben lassen. Dieses Verfahren bietet eine lange Bordseite und kann Schutz vor Wind und See geben, verlangt aber besondere Vorsicht, damit das Boot die Person nicht überdrückt.
Bei beiden Verfahren bleiben Ausguck und Blickkontakt bestehen, die Annäherung erfolgt langsam, und die Bergungsausrüstung ist vor dem letzten Anlauf klar. Ob der Motor ausgekuppelt oder ganz abgestellt wird, richtet sich nach der konkreten Sicherheitssituation. Die Einzelheiten lassen sich mit dem MOB-Manöver-Trainer üben.

Das MOB-Manöver unter Segel (Überblick)

Unter Segel ist das Manöver anspruchsvoller, weil das Boot nicht beliebig aufstoppen kann. Wer den SBF mit der Antriebsart Segel erwirbt, muss das Rettungsmanöver unter Segel als Pflichtmanöver beherrschen.1 Verbreitet sind zwei Grundformen:

  • Quickstopp-Manöver: Sofort Fahrt reduzieren und in der Nähe der Person bleiben; je nach Boot werden Segelstellung und Kurs so angepasst, dass eine kontrollierte Rückkehr möglich ist.
  • Klassisches Rettungsmanöver: Mit Raumschots- und Am-Wind-Kursen einen Schlag fahren und die Person anschließend mit einem Aufschießer in Lee anlaufen, sodass das Boot neben der Person seine Fahrt verliert.
Welches Verfahren gefahren wird, muss in der Ausbildung mit dem konkreten Boot geübt werden. Der Sicherheitsleitfaden des Bundes empfiehlt bei Segelbooten, soweit vorhanden, die Maschine zu starten und bei Bedarf einzukuppeln; für die Prüfungsaufgabe unter Segel bleibt jedoch das vorgeschriebene Segelmanöver maßgeblich.2

Aufnahme der Person an Bord

Die Bergung ist körperlich der schwerste Teil des Manövers – eine erschöpfte Person in nasser Kleidung wiegt erheblich mehr, als viele erwarten. Hilfsmittel und Vorgehen:

HilfsmittelEinsatz
Badeleiter / HeckplattformEinfachster Weg bei ansprechbarer, kräftiger Person; Vorsicht: Schraube muss stehen
Rettungsschlinge / BergegurtUm den Oberkörper legen, an Bord ziehen oder mit Talje/Winsch hieven
Schwimmfähige LeineVerbindung herstellen und Person am Boot sichern, ohne sie in der Schraubennähe zu führen
Segel / Persenning als BergetuchPerson hineinrollen und möglichst waagerecht über die Bordwand holen
Wichtig: Die Person frühzeitig ansprechen und beruhigen, eine sichere Verbindung herstellen, bevor die eigentliche Bergung beginnt, und bei Bewusstlosigkeit sofort einen Notruf absetzen. Die Bergemethode muss vor dem Törn für das konkrete Boot festgelegt und geübt werden.23

Unterkühlung: die unterschätzte Gefahr

Nach längerem Aufenthalt im Wasser ist mit Unterkühlung zu rechnen. Das Deutsche Rote Kreuz empfiehlt, Betroffene möglichst wenig zu bewegen, weitere Kälteeinwirkung zu verhindern und den Rettungsdienst zu alarmieren.4

  • Zeit ist kritisch: Je länger die Person im Wasser ist, desto weniger kann sie bei der eigenen Rettung mithelfen.
  • Behutsam bergen: Die Person so wenig wie möglich bewegen und beim Hieven den für das Boot vorbereiteten Bergeweg nutzen.
  • An Bord: Vor Wind und weiterer Auskühlung schützen. Bei leichter Unterkühlung nasse Kleidung vorsichtig entfernen und langsam erwärmen; bei schwerer Unterkühlung keine aktiven Aufwärmversuche unternehmen. Bewusstsein und Atmung wiederholt prüfen und professionelle Hilfe anfordern.45

Rolle der Crew und Vorbeugung

Ein MOB-Fall ist Teamarbeit. Der Bootsführer führt das Manöver, der Ausguck hält die Person im Blick, weitere Crewmitglieder bereiten Rettungsmittel und Bergung vor. Der Sicherheitsleitfaden des Bundes fordert, die Verfahren häufig und intensiv zu üben und mindestens ein weiteres Crewmitglied zur sicheren Durchführung zu befähigen.2

Der beste MOB-Fall ist der, der nicht eintritt:

  • Rettungswesten tragen – nachts, bei schwerem Wetter, im Beiboot und für Kinder grundsätzlich
  • Eine Hand für das Schiff: an Deck immer festhalten, bei Seegang Sicherheitsgurt und Strecktau nutzen
  • Nicht ins Rigg oder außenbords urinieren – eine klassische Ursache für MOB-Unfälle
  • Ordnung an Deck, rutschfestes Schuhwerk
Merksatz für die Prüfung: Rufen, werfen, zeigen, Position sichern – Verfahren ans Boot anpassen, Schraube fernhalten, Bergung vorbereiten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind die ersten drei Handgriffe?

Laut „Mensch über Bord!" rufen, ein Rettungsmittel werfen und eine Person ausschließlich zum Beobachten und Zeigen abstellen. Zusätzlich Position und Uhrzeit sichern, gegebenenfalls MOB-Taste drücken und die Bergungsausrüstung klarmachen.2

Warum darf die Schraube am Ende nicht drehen?

Weil der Propeller die Person schwer verletzen kann. Die Annäherung erfolgt deshalb langsam; Antrieb und Heck werden so geführt, dass die Schraube nie zur Person gelangt. Ob ausgekuppelt oder ganz abgestellt wird, hängt von Boot und Bedingungen ab.3

Muss die Person immer an der Leeseite aufgenommen werden?

Nein. Die SpFV legt keine Aufnahmeseite fest. Bei einer Anfahrt gegen Wind und See kann eine andere Seite sinnvoll sein als beim Drift-down-Verfahren, bei dem das Boot in Luv der Person positioniert wird und kontrolliert zu ihr hintreibt.13

Welches Manöver soll ich unter Segeln fahren?

Für den SBF mit der Antriebsart Segel ist das Rettungsmanöver unter Segel ein Pflichtmanöver.1 Das konkrete Verfahren muss mit dem Prüfungsboot geübt werden; entscheidend sind kontrollierte Fahrt, dauernder Sichtkontakt und eine vorbereitete Bergung.

Wann setze ich einen Notruf ab?

Der Sicherheitsleitfaden des Bundes empfiehlt, andere Schiffe und Rettungsdienste per MAYDAY zu unterrichten.2 Auf deutscher Nord- und Ostsee sind UKW-Kanal 16, DSC auf Kanal 70 und die Rettungsleitstelle See (MRCC Bremen) die maßgeblichen Wege.5

Quellen

  1. Sportbootführerscheinverordnung, Anlage 4 zu § 8 Abs. 1 Satz 4, Pflichtmanöver unter Maschine und Segel, aktuelle Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/spfv/anlage_4.html ↩
  2. Bundesministerium für Digitales und Verkehr, „Sicherheit auf dem Wasser“, Abschnitt „Mensch über Bord“, aktuelle Ausgabe. https://bmdv.bund.de/blaetterkatalog/catalogs/111030/pdf/complete_print.pdf ↩
  3. [Einzelquelle] Royal National Lifeboat Institution, „Maritime Search and Rescue“, Unit 10, Anfahrt gegen Wind und Drift-down-Verfahren. https://rnli.org/-/media/rnli/downloads/tp-int-05_maritime_sar_manual_2019.pdf?hash=C8F2DF7A486A7F6C2DF9E8B55A40D7F4&rev=bbd8290bb0e045109fa03efb6d9ea803 ↩
  4. [Einzelquelle] Deutsches Rotes Kreuz, Erste-Hilfe-Hinweise bei Unterkühlung. https://www.kv-aw.drk.de/angebote/erste-hilfe/kleiner-lebensretter/unterkuehlung.html ↩
  5. Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, aktuelle Alarmierungswege der Rettungsleitstelle See (MRCC Bremen). https://www.seenotretter.de/notfall ↩

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