Seemannschaft Manoever Ankern: Ankerarten, Ankergeschirr und das sichere Ankermanöver

Ankern: Ankerarten, Ankergeschirr und das sichere Ankermanöver

Ankern als Prüfungs- und Praxiswissen: Ankerarten, Ankergeschirr, Kette oder Leine, Ankermanöver, Schwoikreis, Ankerwache und Ankersignale.

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Skipper Prüfungsfit
Updated: 2026-08-27

Sicheres Ankern gehört zu den Grundfertigkeiten jedes Bootsführers – sei es für die Badepause in der Bucht, das Übernachten vor Anker oder als Notmaßnahme bei Maschinenausfall. Die SBF-Theorie fragt unter anderem, woran man erkennt, ob der Anker hält; die detaillierten Prüfungsfragen zu Ankertypen und gesteckter Ketten- oder Leinenlänge stammen hingegen aus dem SKS-Katalog.12 Dieser Artikel erklärt die gängigen Ankertypen, den Aufbau des Ankergeschirrs, das Ankermanöver Schritt für Schritt sowie Schwoikreis, Ankerwache und die vorgeschriebenen Signale.

Kurz & knapp

- Der amtliche SKS-Katalog nennt unter anderem Patentanker, Stockanker, Draggen und Pflugscharanker
- SKS-Prüfungsantwort zur Länge: Kette oder Leine je nach Wetter und Strom bis auf das Drei- beziehungsweise Fünffache der Wassertiefe stecken
- Das Ankergeschirr besteht aus Anker, Kette bzw. Kettenvorlauf mit Leine, gesicherten Schäkeln und gegebenenfalls Wirbel
- Geankert wird gegen Wind oder Strom; der Anker wird eingefahren und die Position anschließend kontrolliert
- Der Schwoikreis muss frei von Hindernissen und anderen Ankerliegern bleiben
- Ankerlieger unter 50 m dürfen nachts ein weißes Rundumlicht führen; tags ist grundsätzlich ein Ball vorgeschrieben

Ankerarten im Vergleich

Kein Anker hält auf jedem Grund gleich gut. Der amtliche SKS-Fragenkatalog nennt als auf Sportbooten verbreitete Ankerarten Patentanker, Stockanker, Draggen und Pflugscharanker; bei den Ankern mit hoher Haltekraft nennt er unter anderem Danforth- und CQR-Anker.1

AnkertypEigenschaftenGeeigneter Ankergrund
PflugscharankerGräbt sich mit einer pflugförmigen Flunke einJe nach Modell vor allem Sand und Schlick
PatentankerStockloser Anker, der sich gut in einer Ankerklüse stauen lässtJe nach Ausführung wechselnde Gründe
StockankerStock richtet die Flunke zum Eingraben ausAuch bei verkrautetem Grund eine Prüfungsalternative zum Leichtgewichtsanker
Danforth-AnkerLeichtgewichtsanker mit breiten FlunkenSand, Schlick, weicher Ton und Lehm; steinige oder stark verkrautete Böden sind für übliche Leichtgewichtsanker ungeeignet
Ergänzend ist der zusammenklappbare Draggen verbreitet. Die konkrete Eignung hängt immer von Bauart, Gewicht, Ankergrund und Bedingungen ab; die Tabelle ist deshalb keine Kaufempfehlung.

Das Ankergeschirr

Als Ankergeschirr bezeichnet man die gesamte Ausrüstung zwischen Boot und Grund: den Anker selbst, die Ankerkette oder die Kombination aus Kettenvorlauf und Ankerleine, die Verbindungselemente (Schäkel, gegebenenfalls Wirbel) sowie an Bord die Belegmöglichkeit oder Ankerwinsch. Wichtige Grundsätze:

  • Kette oder Kettenvorlauf: Die Kette unterstützt das Eingraben, wirkt ruckdämpfend und schützt besser vor Durchscheuern an Steinen. Bei einer Kombination aus Leine und Kette nennt der amtliche SKS-Katalog einen Kettenvorlauf von 3 bis 5 m.1
  • Schäkel sichern: Schäkelbolzen werden mit Draht oder Kabelbinder gegen selbstständiges Losdrehen gesichert.
  • Bekneifbares Ende: Das Kettenende ist im Ankerkasten so befestigt, dass es im Notfall schnell gelöst oder gekappt werden kann.

Prüfungsregel für Kette oder Leine

Der amtliche SKS-Katalog formuliert die Prüfungsantwort nicht als feste Trennung zwischen Kette und Leine: In Abhängigkeit von Wetter und Strom wird Kette oder Leine bis auf das Drei- beziehungsweise Fünffache der Wassertiefe gesteckt.1 Maßgeblich ist die größte zu erwartende Tiefe einschließlich Tide. Bei zunehmendem Wind nennt der Katalog als Maßnahmen mehr Kette oder Trosse beziehungsweise ein Reitgewicht. In der Praxis können Boot, Anker, Grund und Herstellerangaben eine größere Länge erfordern.

Das Ankermanöver Schritt für Schritt

  1. Ankerplatz wählen: Geschützte Lage, geeigneter Ankergrund, ausreichende Wassertiefe (auch bei Niedrigwasser), genügend Schwoiraum und Abstand zu Fahrwasser, Kabeln und Leitungen. Der amtliche SKS-Katalog verlangt ausdrücklich die Prüfung von Grund, Tiefe, Wind, Strom und Schwoiraum.1
  2. Vorbereiten: Ankergeschirr klarmachen, Kettenlänge anhand der Wassertiefe festlegen, Crew einweisen.
  3. Anfahrt: Langsam gegen Wind oder Strom an die gewählte Position fahren und aufstoppen.
  4. Anker fallen lassen: Sobald das Boot leicht achteraus treibt, den Anker kontrolliert fieren – nie die Kette auf den Anker werfen, sonst besteht die Gefahr des Vertörnens.
  5. Kette stecken: Die berechnete Länge nach und nach ausgeben, während das Boot achteraus vertreibt oder langsam rückwärts gefahren wird.
  6. Anker einfahren: Mit kleiner Rückwärtsfahrt die Kette strecken und den Anker ins Sediment eingraben. Hält der Anker, ruckt die gestreckte Kette spürbar ein.
  7. Kontrolle: Position anhand von Landmarken-Peilungen oder GPS überprüfen. Erst wenn der Anker sicher hält, gilt das Manöver als abgeschlossen – dann Ankerball setzen.

Schwoikreis und Ankerwache

Vor Anker dreht sich das Boot mit Wind und Strom um seinen Anker – es schwoit. Der Schwoikreis hat als Radius ungefähr die gesteckte Ketten- bzw. Leinenlänge zuzüglich der Bootslänge. Dieser Kreis muss frei von Untiefen, Hindernissen und anderen Ankerliegern bleiben. Zu beachten ist, dass Boote unterschiedlich schwoien: Ein Kettenlieger verhält sich anders als ein Boot an langer Leine, ein tiefgehendes Segelboot anders als ein flacher Motorbootrumpf.

Die Ankerwache stellt sicher, dass ein Vertreiben rechtzeitig bemerkt wird. Bewährte Mittel sind wiederholte Peilungen zu festen Landmarken, ein passend eingestellter GPS-Ankeralarm und die Kontrolle von Kette oder Trosse; genau diese Kontrollen nennt auch der amtliche SKS-Katalog.1 Rechtlich konkreter ist § 32 Abs. 4 SeeSchStrO: Auf einem in der Nähe des Fahrwassers oder auf einer Reede vor Anker liegenden Fahrzeug sowie in den dort genannten Ausnahmefällen muss ständig Ankerwache gegangen werden.3

Signale für Ankerlieger: Ball und Licht

Ein Fahrzeug vor Anker muss für andere Verkehrsteilnehmer als Ankerlieger erkennbar sein. Nach Regel 30 KVR gilt:4

ZeitSignal
TagsEin schwarzer Ball im vorderen Teil des Fahrzeugs
Nachts, unter 50 m LängeEin weißes Rundumlicht dort, wo es am besten gesehen werden kann
Nachts, ab 50 m LängeVorn ein weißes Rundumlicht und an oder nahe dem Heck ein niedrigeres weißes Rundumlicht
Fahrzeuge unter 7 m Länge sind nach Regel 30 Buchst. e KVR nur dann befreit, wenn sie sich nicht in oder nahe einem engen Fahrwasser, einer Fahrrinne, einer Reede oder dort befinden, wo andere Fahrzeuge in der Regel fahren.4 Zusätzlich brauchen Fahrzeuge unter 12 m auf den nach § 60 Abs. 1 SeeSchStrO bekanntgemachten Anker- und Liegestellen die Ankersichtzeichen nicht zu führen; die KVR-Ausnahme für Fahrzeuge unter 7 m bleibt daneben bestehen.5 Für Binnenschifffahrtsstraßen gelten eigene Vorschriften, nicht lediglich eine sinngemäße Übertragung der KVR.

Anker-auf-Manöver

Beim Ankeraufgehen wird die Kette zunächst eingeholt, während das Boot langsam gegen Wind oder Strom nachgefahren wird – so bleibt die Winsch entlastet. Steht die Kette senkrecht („Anker ist auf und nieder"), kann der Anker aus dem Grund gebrochen werden. Anschließend Anker reinigen und sichern, Ankersignal einholen und die Ausrüstung kontrollieren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Kette oder Leine muss ich stecken?

Für die SKS-Prüfung gilt: Kette oder Leine je nach Wetter und Strom bis auf das Drei- beziehungsweise Fünffache der Wassertiefe stecken.1 Gerechnet wird mit der größten zu erwartenden Tiefe; in der Praxis können Anker, Boot, Grund und Herstellerangaben mehr verlangen.

Worauf achte ich bei der Wahl des Ankerplatzes?

Auf Schutz vor Wind und Wellen, ausreichenden Schwoiraum, mögliche Winddrehungen, die größte und kleinste zu erwartende Wassertiefe, den Grund sowie örtliche Ankerverbote. Diese Angaben werden in aktueller Seekarte, Seehandbuch und Bekanntmachungen geprüft.

Welcher Grund hält am besten?

Der amtliche SKS-Katalog nennt Sand, Schlick, weichen Ton und Lehm als gut geeignet für übliche Leichtgewichtsanker; steinige, verkrautete und stark schlammige Böden sind ungeeignet.1 Entscheidend bleibt die Eignung des konkreten Ankertyps.

Woran erkenne ich, dass der Anker slippt?

An einer wandernden Position im Plotter, an sich verändernden Landpeilungen und am Ruckeln der Kette. Zwei feste Landmarken in Deckung sind die einfachste Kontrolle ohne Elektronik.

Welche Sichtzeichen muss ich vor Anker führen?

Tags wird grundsätzlich ein Ball geführt. Nachts darf ein Fahrzeug unter 50 m statt zweier Ankerlichter ein weißes Rundumlicht dort zeigen, wo es am besten gesehen werden kann. Die Ausnahme für Fahrzeuge unter 7 m gilt nur außerhalb der in Regel 30 Buchst. e KVR genannten Verkehrsbereiche.4

Quellen

  1. Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Fragenkatalog SKS, Fragen 122–139 zu Ankergrund, Ankergeschirr und Ankermanöver, aktuelle Ausgabe. https://www.elwis.de/DE/Sportschifffahrt/Sportbootfuehrerscheine/Fragenkatalog-SKS/Fragenkatalog-SKS.pdf ↩
  2. Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Fragenkatalog SBF See, Frage 39 zur Kontrolle des Ankers, anzuwenden seit 1. August 2023. https://www.elwis.de/DE/Sportschifffahrt/Sportbootfuehrerscheine/Fragenkatalog-See/Fragenkatalog-See-August-2023.pdf ↩
  3. Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, § 32 Abs. 4, aktuelle Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/seeschstro_1971/__32.html ↩
  4. Kollisionsverhütungsregeln, Regel 30 Buchst. a, b und e, aktuelle Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/seestro_1972/regel_30.html ↩
  5. Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung, § 10 Abs. 4, aktuelle Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/seeschstro_1971/__10.html ↩

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