Seefunk Dsc DSC: Digitaler Selektivruf auf Kanal 70

DSC: Digitaler Selektivruf auf Kanal 70

DSC erklärt: Kanal 70, MMSI, Distress Alert mit Position und Zeit, Quittierung, Routineanrufe und die Bedienung des DSC-Controllers in der SRC-Prüfung.

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Skipper Prüfungsfit
Updated: 2026-08-27

Das Herzstück moderner Seefunkanlagen ist der digitale Selektivruf: DSC (Digital Selective Calling) ermöglicht es, andere Funkstellen gezielt anzurufen und im Notfall per Knopfdruck einen Alarm mit Identität, Position und Zeit auszusenden. Im UKW-Bereich nutzt DSC ausschließlich den Kanal 70 – dort läuft kein Sprechfunk, sondern nur der Austausch kurzer Datentelegramme. Wer die SRC-Prüfung ablegt, muss die DSC-Abläufe nicht nur theoretisch kennen, sondern am Gerät praktisch vorführen.

Kurz & knapp

- DSC = Digital Selective Calling, der digitale Anruf- und Alarmierungsdienst des GMDSS1
- Auf UKW ist der Kanal 70 ausschließlich für DSC reserviert – kein Sprechfunk
- Jede Funkstelle wird über ihre neunstellige MMSI eindeutig identifiziert2
- Der Distress Alert überträgt MMSI, Position und Zeit – bei GPS-Kopplung automatisch
- Auslösung: Schutzklappe öffnen, DISTRESS-Taste rund fünf Sekunden gedrückt halten3
- Nach dem Alarm folgt der Sprechfunk-Notverkehr auf Kanal 16
- Küstenfunkstellen quittieren den Alarm per DSC (Distress Acknowledgement)
- Routineanrufe per DSC vereinbaren einen Arbeitskanal für das anschließende Gespräch

Was DSC leistet

Vor der Einführung von DSC begann jedes Funkgespräch mit einem Sprechfunkanruf auf einem Anrufkanal – und ein Notruf wurde nur gehört, wenn jemand die Hörwache hielt. DSC ersetzt diesen Erstkontakt durch ein digitales Telegramm: Der Anruf erreicht gezielt eine bestimmte Funkstelle (oder alle Funkstellen im Empfangsbereich), wird dort automatisch empfangen, dekodiert und signalisiert. Das Gerät des Angerufenen „klingelt" – ganz gleich, ob die Besatzung gerade den Lautsprecher verfolgt oder nicht.

DSC übernimmt damit zwei Aufgaben: die Alarmierung im Notfall (Distress Alert an alle) und den gezielten Anruf im Routine-, Sicherheits- und Dringlichkeitsverkehr. Das eigentliche Gespräch findet anschließend im Sprechfunk statt – der Kanal 70 bleibt ausschließlich den kurzen Datentelegrammen vorbehalten.

Die MMSI: Identität im Seefunk

Jede DSC-Funkstelle ist über ihre MMSI (Maritime Mobile Service Identity) identifizierbar – eine neunstellige Ziffernfolge, die in Deutschland zusammen mit der Frequenzzuteilung von der Bundesnetzagentur vergeben wird.2 In der MMSI steckt die Landeskennung (Maritime Identification Digits, MID – für Deutschland 211): Schiffs-MMSI beginnen direkt mit der MID, Küstenfunkstellen sind an der vorangestellten Doppelnull zu erkennen, Gruppenrufnummern an einer einzelnen führenden Null.

Die MMSI wird einmalig in den DSC-Controller einprogrammiert und mit jedem Telegramm automatisch mitgesendet. So weiß der Empfänger eines Distress Alerts sofort, wer in Not ist – noch bevor ein Wort gesprochen wurde.

GPS-Kopplung: Position und Zeit automatisch

Ein Distress Alert ist nur so gut wie die Position, die er enthält. Deshalb wird die Funkanlage mit dem GPS- bzw. GNSS-Empfänger des Schiffes gekoppelt (viele Geräte haben den Empfänger bereits eingebaut): Der Controller übernimmt Position und Zeit dann laufend automatisch und sendet sie im Alarm mit. Ohne Kopplung müssen Position und Zeit regelmäßig von Hand eingegeben und aktualisiert werden – ein typischer Fehlerpunkt in der Praxis und eine beliebte Prüfungsfrage: Ein Alarm ohne gültige Position zwingt die Rettungsleitstelle zu zeitraubender Suche.

Der Distress Alert

Der DSC-Notalarm wird ausgelöst, wenn ein Schiff oder Menschenleben in schwerer und unmittelbarer Gefahr ist und sofortige Hilfe benötigt wird. Der Ablauf am Gerät:

  1. Schutzklappe öffnen – die DISTRESS-Taste ist gegen versehentliches Auslösen abgedeckt.
  2. Wenn die Zeit es erlaubt: die Art des Notfalls (z. B. Feuer, Wassereinbruch, Kentern) im Menü auswählen (designated distress alert); sonst ohne Auswahl senden (undesignated).
  3. Die DISTRESS-Taste rund fünf Sekunden gedrückt halten, bis das Gerät den Alarm aussendet.
Der Alarm geht an alle DSC-Funkstellen in Reichweite und wird vom Gerät automatisch wiederholt, bis eine Quittierung eintrifft. Anschließend schaltet die Anlage auf Kanal 16 – dort folgt der Sprechfunk-Notverkehr mit der Notmeldung nach dem MAYDAY-Schema.

Quittierung und Fehlalarm

Die Quittierung (Distress Acknowledgement) ist grundsätzlich Sache der Küstenfunkstellen: Sie bestätigen den Alarm per DSC, stoppen damit dessen automatische Wiederholung und leiten die Rettungsmaßnahmen ein. Schiffe im Seegebiet A1 quittieren einen empfangenen Alarm nicht vorschnell per DSC – sie warten kurz ab, ob eine Küstenfunkstelle antwortet, nehmen den Notverkehr auf Kanal 16 auf und unterstützen, wo sie können.

Wird ein Alarm versehentlich ausgelöst, gilt: Anlage nicht einfach ausschalten, sondern die Aussendung abbrechen und den Fehlalarm unverzüglich auf Kanal 16 an alle widerrufen – mit Schiffsname, Rufzeichen, MMSI und der Klarstellung, dass keine Not besteht. So wird verhindert, dass eine Suchaktion anläuft.

Routineanrufe per DSC

Auch im Alltag ersetzt DSC den Anruf über Sprechfunk. Ein Routineanruf an eine andere Funkstelle läuft so ab:

  1. Im Menü „Individual Call" die MMSI der Gegenstelle eingeben oder aus dem Adressbuch wählen.
  2. Einen freien Arbeitskanal für das anschließende Gespräch vorschlagen.
  3. Den Anruf auf Kanal 70 absenden.
Die Gegenstelle quittiert den Anruf; beide Anlagen schalten auf den vereinbarten Arbeitskanal, wo das Gespräch im Sprechfunk geführt wird. Daneben kennt DSC Anrufe „an alle Schiffe" (All Ships Call) mit den Kategorien Dringlichkeit und Sicherheit – sie kündigen etwa eine PAN-PAN- oder SÉCURITÉ-Meldung an.

DSC-Controller in der SRC-Prüfung

Die praktische Prüfung zum SRC verlangt die sichere Bedienung der GMDSS-Seefunkanlage. Typische Aufgaben sind:

AufgabeWorauf es ankommt
Distress Alert sendenKlappe öffnen, Art der Not wählen, Taste ca. 5 Sekunden halten
Notalarm quittieren bzw. weiterleitenRollenverständnis: Küstenfunkstelle quittiert, Schiff unterstützt
Fehlalarm widerrufenAussendung stoppen, Widerruf an alle auf Kanal 16
Routineanruf absetzenMMSI eingeben, Arbeitskanal vorschlagen, Gespräch führen
Positions-/Zeiteingabemanuelle Eingabe, wenn keine GPS-Kopplung besteht
Wer diese Abläufe beherrscht, hat den anspruchsvollsten Teil der Prüfung im Griff. Die Bedienschritte lassen sich gezielt trainieren – etwa mit dem Funkspruch-Trainer oder im Themenbereich Seefunk. Den Gesamtzusammenhang der Rettungskette erklärt der Artikel GMDSS im Überblick.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wofür ist Kanal 70 reserviert?

Ausschließlich für den digitalen Selektivruf. Auf Kanal 70 darf kein Sprechfunk stattfinden – der eigentliche Notverkehr läuft nach dem DSC-Alarm auf Kanal 16.

Was überträgt ein Distress Alert?

Die neunstellige MMSI der Funkstelle sowie – bei Kopplung mit einem GNSS-Empfänger automatisch – Position und Zeit. Ohne GPS-Kopplung muss die Position von Hand eingegeben werden, sonst fehlt sie im Alarm.

Wie löse ich einen DSC-Notalarm aus?

Schutzklappe öffnen und die DISTRESS-Taste rund fünf Sekunden gedrückt halten. Die Verzögerung verhindert Fehlauslösungen. Sofern die Zeit reicht, wird zuvor die Art der Not ausgewählt.

Was passiert nach dem Alarm?

Eine Küstenfunkstelle quittiert den Alarm per DSC (Distress Acknowledgement) und alarmiert die Rettungsleitstelle; Schiffe in der Umgebung werden ebenfalls erreicht. Anschließend folgt der Sprechfunk-Notverkehr auf Kanal 16 nach dem MAYDAY-Schema.

Wozu dient DSC im Alltag?

Für Routineanrufe: Die anrufende Station wählt die MMSI der Gegenstelle und schlägt einen Arbeitskanal vor. Das entlastet Kanal 16 und macht das Anrufen unabhängig davon, ob jemand gerade mithört.

Quellen

  1. ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice, Informationen zum Seefunkdienst. https://www.elwis.de/DE/Schifffahrtsrecht/Sprechfunkzeugnisse/Sprechfunkzeugnisse-node ↩
  2. Bundesnetzagentur, Frequenzzuteilungen, Rufzeichen und MMSI für den Seefunkdienst. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Frequenzen/SpezielleAnwendungen/Seefunk/start.html ↩
  3. Deutscher Motoryachtverband e. V., Merkblätter und Informationen zu den Funkbetriebszeugnissen. https://www.dmyv.de/fileadmin/content/pdf/downloads/fuehrerschein/funk-allgemeines/merkblatt-ubi.pdf ↩

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