Seefunk Verkehrsarten Der Notverkehr: MAYDAY richtig absetzen

Der Notverkehr: MAYDAY richtig absetzen

Notverkehr im Seefunk Schritt für Schritt: DSC-Distress Alert, MAYDAY auf Kanal 16, Aufbau der Notmeldung, MAYDAY RELAY, SEELONCE MAYDAY und die Beendigung.

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Skipper Prüfungsfit
Updated: 2026-08-27

Kein Funkspruch hat höhere Priorität als der Notruf: Der Notverkehr verdrängt jeden anderen Funkverkehr und mobilisiert Küstenfunkstellen, Rettungsdienste und alle Schiffe in der Umgebung. Damit das funktioniert, folgt er einem weltweit einheitlichen Schema – vom DSC-Alarm über die Notmeldung mit dem Notzeichen MAYDAY bis zur förmlichen Beendigung. Dieses Schema wird in der SRC-Prüfung wörtlich abgefragt und praktisch vorgeführt; es sicher zu beherrschen, kann im Ernstfall Leben retten.

Kurz & knapp

- Voraussetzung: schwere und unmittelbare Gefahr für ein Schiff oder Menschenleben, sofortige Hilfe erforderlich
- Ablauf: DSC-Distress Alert auf Kanal 70, danach Notmeldung im Sprechfunk auf Kanal 161
- Notzeichen: MAYDAY, dreimal gesprochen
- Notmeldung: Schiffsname (3×), Rufzeichen, MMSI, Position, Art der Not, erbetene Hilfe, Personenzahl
- MAYDAY RELAY: Weiterleitung eines fremden Notfalls durch eine nicht betroffene Funkstelle
- SEELONCE MAYDAY gebietet Funkstille für alle nicht beteiligten Stationen
- SEELONCE FEENEE hebt die Funkstille auf und beendet den Notverkehr2
- Der Notverkehr hat Vorrang vor Dringlichkeits-, Sicherheits- und Routineverkehr3

Wann Notverkehr gerechtfertigt ist

Ein Notalarm darf nur ausgelöst werden, wenn ein Schiff oder ein Mensch in schwerer und unmittelbarer Gefahr schwebt und sofortige Hilfe benötigt wird – etwa bei Wassereinbruch, Feuer an Bord, Kenterung oder einem lebensbedrohlichen medizinischen Notfall. Die Entscheidung trifft die Schiffsführung. Liegt keine unmittelbare Lebens- oder Schiffsgefahr vor – zum Beispiel bei Maschinenausfall mit Treibgefahr –, ist stattdessen der Dringlichkeitsverkehr mit PAN PAN das richtige Mittel. Ein unberechtigter Notalarm bindet Rettungskräfte und ist kein Kavaliersdelikt.

Der Ablauf: erst DSC, dann Sprechfunk

Auf einer GMDSS-Seefunkanlage beginnt der Notverkehr mit dem digitalen Alarm: Der DSC-Distress Alert auf Kanal 70 überträgt MMSI, Position und Zeit an alle Funkstellen in Reichweite (Details im Artikel DSC-Grundlagen). Unmittelbar danach wechselt die Anlage auf den Sprechfunk-Notkanal UKW 16, auf dem Notruf und Notmeldung gesprochen werden. Der DSC-Alarm sorgt dafür, dass alle Empfänger bereits alarmiert sind und mithören – die Sprechfunkmeldung liefert die Einzelheiten.

Aufbau der Notmeldung

Notruf und Notmeldung folgen einem festen Schema. Für ein Sportboot „Albatros" mit Rufzeichen DK1234 und MMSI 211123456 sieht es so aus:

ElementBeispiel
Notzeichen (3×)MAYDAY, MAYDAY, MAYDAY
AnrufHIER IST (THIS IS) – Albatros, Albatros, Albatros
Rufzeichen, MMSIDK1234, MMSI 211123456
Notzeichen + NameMAYDAY Albatros, DK1234, MMSI 211123456
PositionPosition 54 Grad 30 Minuten Nord, 010 Grad 15 Minuten Ost
Art der NotWassereinbruch, Schiff droht zu sinken
Erbetene HilfeBenötigen sofortige Hilfe
Personenzahl, WeiteresVier Personen an Bord, gehen in die Rettungsinsel
AbschlussOVER
Die Reihenfolge lässt sich mit dem Merkschema „Wer – wo – was – welche Hilfe – wie viele" einprägen. Die Position wird möglichst als Breite und Länge angegeben, ersatzweise als Peilung und Abstand zu einem bekannten Punkt. Im internationalen Verkehr wird die Meldung auf Englisch abgesetzt – die passenden Redemittel liefert der Artikel Funkenglisch-Basics.

MAYDAY RELAY: fremde Not weiterleiten

Wer einen Notfall beobachtet oder eine Notmeldung empfängt, die von keiner anderen Station beantwortet wird, muss sie weiterleiten. Dafür steht das Zeichen MAYDAY RELAY (dreimal gesprochen), gefolgt vom eigenen Stationsnamen und der Wiedergabe der ursprünglichen Notmeldung. Typische Fälle: Ein Segler beobachtet eine Kenterung außer Rufweite der Küstenfunkstelle, oder ein Schiff mit größerer Antennenhöhe empfängt einen schwachen Notruf, den die Küste nicht hören konnte. Wichtig: MAYDAY RELAY macht die weiterleitende Station nicht selbst zur Notstation – sie handelt stellvertretend.

Funkstille: SEELONCE MAYDAY

Während des Notverkehrs ist der Kanal 16 für die Beteiligten reserviert. Stört eine andere Station den Ablauf, kann die Leitstation des Notverkehrs – in der Regel die koordinierende Küstenfunkstelle oder die Notstation selbst – Funkstille gebieten: „SEELONCE MAYDAY" (von französisch „silence"). Alle nicht am Notverkehr beteiligten Funkstellen müssen daraufhin jede Aussendung auf dem Kanal unterlassen und weiter mithören. Eingeschränkter Verkehr kann später mit „PRUDONCE" wieder zugelassen werden.

Beendigung des Notverkehrs

Ist die Notlage beendet – die Besatzung gerettet oder die Gefahr abgewendet –, wird der Notverkehr förmlich aufgehoben. Die leitende Funkstelle sendet an alle: das Notzeichen MAYDAY, den Anruf „an alle Funkstellen" (ALL STATIONS, 3×), die eigene Kennung, die Uhrzeit, Name und Rufzeichen der betroffenen Notstation und das Zeichen „SEELONCE FEENEE". Damit ist die Funkstille aufgehoben, der normale Funkbetrieb auf dem Kanal darf wieder aufgenommen werden.

Ein versehentlich ausgelöster Alarm wird dagegen widerrufen: DSC-Aussendung stoppen und auf Kanal 16 an alle Stationen klarstellen, dass keine Not besteht – mit Name, Rufzeichen, MMSI und Position.

Rangfolge im Funkverkehr

Der Notverkehr steht an der Spitze der Rangfolge, die für den gesamten mobilen Seefunkdienst gilt:

  1. Notverkehr (MAYDAY)
  2. Dringlichkeitsverkehr (PAN PAN)
  3. Sicherheitsverkehr (SÉCURITÉ)
  4. Routineverkehr
Jede höhere Stufe darf niedrigeren Verkehr unterbrechen. Diese Rangfolge gilt sinngemäß auch im Binnenfunk – dort allerdings ohne Kanal 16 und DSC, wie der Artikel Praktische Funkabläufe Binnen zeigt.

Üben für Prüfung und Ernstfall

In der SRC-Prüfung gehört das Absetzen einer vollständigen Notmeldung – deutsch und englisch – zu den Standardaufgaben, ebenso MAYDAY RELAY und der Widerruf eines Fehlalarms. Bewährt hat sich, das Schema laut zu sprechen, bis es automatisch abläuft; der Funkspruch-Trainer simuliert die typischen Prüfungssituationen. Und weil ein Funkspruch nur ein Teil des Notfallmanagements ist, lohnt ergänzend der Blick auf das Gesamtthema Notfälle an Bord.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann darf ich MAYDAY senden?

Nur bei schwerer und unmittelbarer Gefahr für ein Schiff oder für Menschenleben, wenn sofortige Hilfe erforderlich ist. Liegt keine unmittelbare Gefahr vor, ist PAN PAN die richtige Stufe.

In welcher Reihenfolge gehe ich vor?

Erst der DSC-Distress Alert auf Kanal 70, danach die Notmeldung im Sprechfunk auf Kanal 16. Der digitale Alarm erreicht Küstenfunkstellen und Schiffe automatisch, die Sprechfunkmeldung liefert die Einzelheiten.

Was gehört in die Notmeldung?

MAYDAY dreimal, Schiffsname dreimal, Rufzeichen und MMSI, Position, Art der Not, erbetene Hilfe und Anzahl der Personen an Bord. Die Position wird in Breite und Länge angegeben, Zahlen Ziffer für Ziffer gesprochen.

Was bedeutet MAYDAY RELAY?

Die Weiterleitung eines fremden Notfalls durch eine nicht selbst betroffene Funkstelle – etwa wenn ein Boot in Not keine funktionierende Anlage mehr hat oder außer Reichweite der Küstenfunkstelle ist.

Was heißt SEELONCE MAYDAY und SEELONCE FEENEE?

SEELONCE MAYDAY gebietet allen nicht beteiligten Stationen Funkstille auf dem Notkanal. SEELONCE FEENEE hebt die Funkstille auf und beendet den Notverkehr. Bis dahin bleibt der Kanal für Routineverkehr gesperrt.

Quellen

  1. ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice, Informationen zum Seefunkdienst und zum Not- und Sicherheitsfunk. https://www.elwis.de/DE/Schifffahrtsrecht/Sprechfunkzeugnisse/Sprechfunkzeugnisse-node ↩
  2. Deutscher Motoryachtverband e. V., Merkblätter und Informationen zu den Funkbetriebszeugnissen. https://www.dmyv.de/fileadmin/content/pdf/downloads/fuehrerschein/funk-allgemeines/merkblatt-ubi.pdf ↩
  3. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Maritime Sicherheitsinformationen. https://www.bsh.de/DE/THEMEN/Nautische_Informationen/nautische-informationen_node.html ↩

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