Die Seemannsknoten bilden einen eigenen Teil der praktischen Sportbootführerscheinprüfung. Anlage 4 SpFV nennt neun Prüfungspositionen. Dabei sind der einfache und der doppelte Schotstek rechtlich eine gemeinsame Position; Webleinstek und Webleinstek auf Slip sind dagegen zwei getrennte Positionen. Aus den neun Positionen werden sieben ausgewählt, von denen sechs ausreichend ausgeführt und in ihrer Verwendung richtig erklärt werden müssen.1
Kurz & knapp
- Anlage 4 SpFV umfasst neun Prüfungspositionen; einfacher oder doppelter Schotstek bilden zusammen eine Position
- Sieben davon werden ausgewählt, sechs müssen ausgeführt und erklärt werden
- Zu jedem Knoten muss der Verwendungszweck genannt werden können
- Für jede Prüfungsposition sieht das Praxisprotokoll einen ersten und einen zweiten Versuch vor
- Webleinstek, Rundtörn und das Belegen der Klampe am realen Objekt üben (Stange, Poller, Klampe)
- Zügige Ausführung ist sinnvolle Prüfungsvorbereitung, aber kein eigenständiges Bewertungskriterium der SpFV
Die Prüfungsknoten im Überblick
Die folgende Tabelle bildet die neun amtlichen Prüfungspositionen ab. Die Verwendungsbeispiele sind praxisgerechte Antworten; Anlage 4 SpFV schreibt dafür keinen auswendig zu lernenden Wortlaut vor.1
| Nr. | Amtliche Prüfungsposition | Verwendungsbeispiel |
|---|---|---|
| 1 | Achtknoten | Stopperknoten am Leinenende; verhindert das Ausrauschen aus Block oder Klemme |
| 2 | Kreuzknoten | Zusammenbinden zweier gleich starker Enden, etwa an einem Reffbändsel; nicht als sicherheitsrelevante Leinenverbindung |
| 3 | Palstek | Festes Auge, das sich nicht zuzieht; Festmachen an Poller, Ring oder Pfahl |
| 4 | Einfacher oder doppelter Schotstek | Verbinden unterschiedlich starker Leinen; der doppelte Schotstek bietet zusätzliche Klemmwirkung |
| 5 | Stopperstek | Zug einer belasteten Leine mit einer zweiten Leine übernehmen |
| 6 | Webleinstek | Befestigen einer Leine an Stange oder Pfahl |
| 7 | Webleinstek auf Slip | Schnell lösbare Befestigung, etwa für einen Fender |
| 8 | Rundtörn mit zwei halben Schlägen | Festmachen an Ring, Poller oder Baum |
| 9 | Belegen einer Klampe mit Kopfschlag | Festmachen einer Leine auf einer Klampe |
Die Knoten im Einzelnen
Achtknoten
Der Achtknoten ist der klassische Stopperknoten. Er wird in das Ende einer Schot oder Leine geknüpft und verhindert, dass diese aus einem Block, einer Klemme oder einer Öse ausrauscht. Anders als ein einfacher Überhandknoten lässt er sich auch nach starker Belastung wieder gut lösen. Das Knotenbild erinnert an eine Acht – daher der Name.
Kreuzknoten
Der Kreuzknoten verbindet zwei gleich starke Leinen, zum Beispiel Reffbändsel beim Reffen des Großsegels. Der Merksatz lautet: „rechts über links – dann links über rechts". Entscheidend ist das Endbild: Beide losen Enden müssen auf derselben Seite parallel zu ihrer Leine austreten. Wer zweimal in dieselbe Richtung schlägt, produziert den unsicheren Altweiberknoten. Bei glattem, modernem Tauwerk gilt der Kreuzknoten nicht als voll belastbar – für sicherheitsrelevante Verbindungen ist er ungeeignet.
Palstek
Der Palstek bildet ein festes Auge, das sich unter Last nicht zuzieht. Er dient zum Festmachen an Poller, Ring oder Pfahl. Als Eselsbrücke hilft die bekannte Geschichte: Die Schlange steigt aus dem Teich, kriecht um den Baum und taucht wieder in den Teich hinab. Für die Personenbergung ist ein dafür vorgesehenes Bergegeschirr sicherer als eine improvisierte Leine um den Oberkörper.
Webleinstek
Der Webleinstek befestigt eine Leine an einer Stange, einem Pfahl oder einem Poller. Er besteht aus zwei gegenläufigen Schlägen, die übereinandergelegt werden. Unter gleichmäßigem Zug hält er zuverlässig; bei wechselnder Zugrichtung kann er sich jedoch lockern und wird deshalb in der Praxis oft mit einem halben Schlag gesichert.
Webleinstek auf Slip
Die Slip-Variante wird wie der normale Webleinstek gelegt, im letzten Schlag bleibt jedoch eine Bucht stecken. Ein Zug am losen Ende genügt, um den Knoten zu lösen. Typische Anwendung: das schnelle Anbringen und Wegnehmen der Fender an der Reling.
Rundtörn mit zwei halben Schlägen
Dieser Knoten macht eine Leine an Ring, Poller oder Baum fest. Der Rundtörn – eine volle Umschlingung des Objekts – nimmt die Last auf und ermöglicht es, den Knoten auch unter Zug kontrolliert zu lösen oder zu fieren. Die beiden halben Schläge sichern das Ende. Damit ist er die erste Wahl, wenn eine Leine unter Last festgemacht oder wieder gelöst werden muss.
Schotstek
Der Schotstek verbindet zwei ungleich starke Leinen. Die dickere Leine bildet dabei die Bucht, die dünnere wird hindurchgeführt und unter sich selbst geklemmt. Für zusätzliche Sicherheit – etwa bei glattem oder nassem Tauwerk – wird der doppelte Schotstek mit einem zweiten Rundtörn gelegt.
Stopperstek
Der Stopperstek befestigt eine Leine so an einer anderen, unter Zug stehenden Leine (oder an einer Stange), dass sie in Zugrichtung nicht rutscht. Damit lässt sich beispielsweise die Last einer belegten Leine vorübergehend übernehmen, um sie umzubelegen oder zu entlasten.
Belegen einer Klampe
Streng genommen kein Knoten, aber fester Bestandteil der Prüfung: Die Leine wird zunächst mit einem Rundtörn um den Fuß der Klampe geführt, dann folgen zwei bis drei Kreuzschläge über die Hörner. Abgeschlossen wird mit einem Kopfschlag, bei dem das Ende unter dem letzten Schlag eingeklemmt wird, sodass sich nichts von selbst lösen kann.
Worauf der Prüfer achtet
Das amtliche Praxisprotokoll bewertet, ob der verlangte Knoten ausreichend ausgeführt und seine Verwendung richtig erklärt wurde. Es nennt dagegen weder eine Zeitvorgabe noch einzelne Pflichtformulierungen.1 Für die Vorbereitung sind deshalb vor allem diese Punkte sinnvoll:
- Korrektes Endbild: Der Knoten muss eindeutig erkennbar und richtig geschlagen sein.
- Verwendungszweck: Zu jedem Knoten sollte ein Einsatzbeispiel genannt werden können.
- Ausführung am Objekt: Webleinstek, Rundtörn und Klampe werden am Pfahl, an der Stange oder an der Klampe gezeigt – nicht frei in der Luft.
Übungstipps für die Praxis
Knoten lernt man nicht durch Zuschauen, sondern durch die Hände. Bewährt haben sich diese Methoden:
- Eigene Übungsleine: Ein gut handhabbares Stück Tauwerk begleitet den Alltag – beim Fernsehen, in der Bahn, in Wartezeiten.
- Am Objekt üben: Stuhllehne, Besenstiel oder Treppengeländer ersetzen Poller und Reling. Das Belegen der Klampe lässt sich mit einer Übungsklampe aus dem Wassersporthandel trainieren.
- Blind knüpfen: Wer den Palstek mit geschlossenen Augen schafft, bleibt auch unter Prüfungsstress sicher.
- Zweck laut mitsprechen: Beim Üben den Verwendungszweck nennen – so sitzt die Antwort in der Prüfung automatisch.
- Verteilt statt geballt üben: Täglich zehn Minuten bringen mehr als eine einmalige Stunde, weil die Bewegungsabläufe ins Muskelgedächtnis übergehen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
Drei typische Stolpersteine sind der Altweiberknoten statt des Kreuzknotens, ein falsch zurückgeführtes loses Ende beim Palstek und zwei nicht korrekt gekreuzte Schläge beim Webleinstek. Wer sein Endbild jeweils mit einer verlässlichen Anleitung vergleicht und den Verwendungszweck laut mitspricht, erkennt solche Fehler früh.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Knoten werden in der SBF-Prüfung verlangt?
Aus neun amtlichen Prüfungspositionen werden sieben ausgewählt; sechs davon müssen ausreichend ausgeführt und erklärt werden. Der einfache oder doppelte Schotstek ist dabei eine gemeinsame Position, Webleinstek und Webleinstek auf Slip sind getrennte Positionen.1
Wofür ist der Palstek da?
Für ein festes Auge, das sich unter Last nicht zuzieht – etwa zum Festmachen an einem Poller oder zum Anschlagen einer Leine an einem Ring. Welche Knoten ausgewählt werden, legt die Prüfung fest; die SpFV gibt keinem einzelnen Knoten Vorrang.
Wann nehme ich den Schotstek?
Zum Verbinden unterschiedlich starker Leinen. In der Prüfung bilden einfacher und doppelter Schotstek eine gemeinsame Position; verlangt wird also eine der beiden Ausführungen.1
Warum ist der Kreuzknoten zum Verbinden von Leinen ungeeignet?
Weil er bei unterschiedlichem Durchmesser, wechselnder Belastung oder glattem Material unsicher werden kann. Als Prüfungsantwort eignet sich das Zusammenbinden zweier gleich starker Enden, etwa eines Bändsels; für eine sicherheitsrelevante Leinenverbindung ist er nicht die richtige Wahl.
Wie belege ich eine Klampe richtig?
Die Leine wird auf der Klampe mit Kreuzschlägen und abschließendem Kopfschlag belegt. Entscheidend für die Prüfung ist ein klares, korrektes Endbild und die richtige Erklärung der Verwendung.
Quellen
- Sportbootführerscheinverordnung, Anlage 4 zu § 8 Abs. 1 Satz 4, Praxisprotokoll, aktuelle Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/spfv/anlage_4.html ↩