Kartenzeichen sind die Bildsprache der Seekarte: Symbole und Abkürzungen, die auf kleinstem Raum Gefahrenstellen, Seezeichen, Leuchtfeuer und Schutzgebiete beschreiben. Wer sie lesen kann, erkennt auf einen Blick, wo sicheres Fahrwasser liegt und wo Vorsicht geboten ist. Für die SBF-See-Prüfung gehören die wichtigsten Zeichen und Leuchtfeuer-Kennungen zum Pflichtwissen – dieser Artikel stellt sie systematisch mit Tabellen vor.
Kurz & knapp
- Das Nachschlagewerk für alle Kartenzeichen ist die vom BSH herausgegebene „Karte 1 / INT 1" mit Zeichen, Abkürzungen und Begriffen in Seekarten.
- Untiefen, Steine und Wracks werden durch eigene Symbole und eine Gefahrenlinie markiert.
- Leuchtfeuer-Kennungen beschreiben den Rhythmus eines Feuers: Fl (Blitz), Oc (unterbrochen), Iso (Gleichtakt), Q (Funkel).
- Eine vollständige Feuerbezeichnung nennt Kennung, Farbe, Wiederkehr, Feuerhöhe und Tragweite, z. B. Fl(3) W 10s 15m 12M.
- Die Ansteuerungstonne markiert den Beginn eines Fahrwassers: rot-weiß senkrecht gestreift, sicheres Wasser rundum.
- Kabel- und Sperrgebiete verbieten oder beschränken Ankern, Fischen oder Befahren – die Karte zeigt Grenzen und Art der Beschränkung.
Karte 1 (INT 1): das Wörterbuch der Seekarte
Niemand muss alle Kartenzeichen auswendig kennen – aber jeder Schiffsführer muss wissen, wo er sie nachschlägt. Das amtliche Verzeichnis ist die Karte 1 (INT 1) des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie: eine Zusammenstellung aller in deutschen und internationalen Seekarten verwendeten Zeichen, Abkürzungen und Begriffe.1 Die Symbole sind international weitgehend einheitlich (INT-Standard), sodass sich auch ausländische Karten mit denselben Grundkenntnissen lesen lassen.
Für die Prüfung und die Praxis lohnt es sich, die häufigsten Zeichen sicher zu beherrschen – sie tauchen in der Kartenaufgabe und im Fragenkatalog immer wieder auf.
Gefahrenstellen: Untiefen, Steine und Wracks
Gefahrenstellen sind die wichtigsten Informationen der Karte, denn sie entscheiden über die Wahl des Kurses:
| Zeichen / Abkürzung | Bedeutung |
|---|---|
| Tiefenzahl (z. B. 2₃) | Wassertiefe 2,3 m, bezogen auf das Seekartennull |
| Unterstrichene Zahl | Trockenfallende Fläche, Höhe über Kartennull |
| Kreuz-Symbol (+) | Stein/Felsen unter Wasser, gefährlich für die Schifffahrt |
| Gestrichelte Linie um ein Symbol | Gefahrenlinie: Bereich nicht befahren |
| Wk | Wrack (englisch „wreck") |
| Wracksymbol mit Gefahrenlinie | Gefährliches Wrack, Tiefe unsicher oder gering |
| Halbkreis mit Strichen (Mastspitzen) | Wrack, dessen Teile sichtbar sind |
Leuchtfeuer-Kennungen: Fl, Oc, Iso und Q
Leuchtfeuer unterscheiden sich durch ihre Kennung – den charakteristischen Rhythmus aus Licht und Dunkelheit. Nur so lässt sich nachts ein Feuer eindeutig identifizieren. Die wichtigsten Kennungen:
| Abkürzung (int.) | Deutsche Bezeichnung | Rhythmus |
|---|---|---|
| Fl | Blitzfeuer (Blz.) | Kurzer Lichtblitz, Dunkelheit überwiegt deutlich |
| Fl(3) | Blitzgruppenfeuer | Gruppe von drei Blitzen, dann Pause |
| Oc | Unterbrochenes Feuer (Ubr.) | Licht überwiegt, kurze Unterbrechungen |
| Iso | Gleichtaktfeuer (Glt.) | Licht und Dunkelheit gleich lang |
| Q | Funkelfeuer (Fkl.) | Sehr schnelle Lichtfolge (ca. 50–60 pro Minute) |
| LFl | Blinkfeuer (Blk.) | Langer Lichtschein (mindestens 2 s) |
| Mo(A) | Morsefeuer | Lichtzeichen im Morserhythmus, hier „A" (kurz-lang) |
Fl(3) W 10s 15m 12M
Blitzgruppenfeuer mit 3 Blitzen – weiß – Wiederkehr 10 Sekunden – Feuerhöhe 15 m – Nenntragweite 12 Seemeilen
Die Wiederkehr ist die Zeit, nach der sich die Kennung wiederholt. Die Nenntragweite (in Seemeilen, „M") beschreibt, wie weit das Feuer bei mittlerer Sichtweite gesehen werden kann. Farbige Sektoren (W/R/G) warnen häufig vor Gefahrenbereichen: Ein Feuer kann aus Richtung des sicheren Fahrwassers weiß, über Untiefen dagegen rot oder grün erscheinen. Wie Leuchtfeuer von Schiffslichtern zu unterscheiden sind, erklärt der Artikel zu den Grundlagen der Lichterführung.
Tonnen in der Seekarte
Schwimmende Seezeichen erscheinen in der Karte als kleine Tonnensymbole mit Angaben zu Farbe, Toppzeichen und Kennung:
- Ansteuerungstonne (Safe-Water-Zeichen): rot-weiß senkrecht gestreift, oft mit rotem Ball als Toppzeichen. Sie markiert die Ansteuerung eines Fahrwassers und bedeutet: rundum sicheres Wasser. Typische Kennungen sind Iso, Oc, LFl 10s oder Mo(A).
- Laterale Tonnen: markieren die Backbord- und Steuerbordseite des Fahrwassers (rot bzw. grün). Details im Artikel Laterale Zeichen.
- Kardinale Tonnen: zeigen an, auf welcher Seite (N/E/S/W) eine Gefahrenstelle sicher passiert werden kann – siehe Kardinale Zeichen.
Kabelgebiete, Sperrgebiete und weitere Flächen
Bestimmte Flächen in der Seekarte sind mit besonderen Regeln belegt. Die Grenzen werden meist durch gestrichelte Linien mit erläuternden Symbolen oder Beschriftungen dargestellt:
| Darstellung | Bedeutung |
|---|---|
| Wellenlinie mit Kabelsymbol | Unterwasserkabel – hier nicht ankern |
| „Pipeline"-Symbol | Unterwasserrohrleitung – Anker- und Fischereiverbot beachten |
| Gestrichelte Grenze mit Verbotsvermerk | Sperrgebiet – Befahren verboten oder beschränkt |
| Schraffierte/markierte Fläche mit Hinweis | Übungs- oder Schießgebiet der Bundeswehr, zeitweise gesperrt |
| Magenta-Band mit Pfeilen | Verkehrstrennungsgebiet mit Einbahnwegen für die Großschifffahrt |
| Ankersymbol | Reede/Ankerplatz |
| Ankersymbol durchgestrichen | Ankerverbot |
Kartenzeichen in der Prüfung
Im amtlichen Fragenkatalog und in der Kartenaufgabe des SBF See werden Kartenzeichen regelmäßig abgefragt – typisch sind das Erkennen von Wrack- und Untiefensymbolen, das Entschlüsseln einer Feuerbezeichnung und das Deuten von Tonnensymbolen. Empfehlenswerte Vorbereitung:
- Die Tabellen dieses Artikels lernen und mit der Karte 1 (INT 1) abgleichen.
- In einer Übungskarte gezielt Symbole suchen und laut „übersetzen".
- Kennungen mit Zeitbezug üben: Aus „Oc(2) G 9s" muss die Beschreibung fehlerfrei abgeleitet werden können.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wo sind die Kartenzeichen amtlich erklärt?
In der Karte 1 / INT 1 des BSH – dem Zeichenverzeichnis für deutsche Seekarten. Sie führt Symbole, Abkürzungen und Begriffe in der international abgestimmten Systematik auf.
Worauf beziehen sich die Tiefenangaben?
Auf das Kartennull, in deutschen Seekarten das LAT. Die eingedruckte Tiefe ist damit fast immer die ungünstigste zu erwartende Tiefe; die tatsächliche Wassertiefe liegt um die Höhe der Gezeit darüber.
Was bedeuten unterstrichene Zahlen?
Sie kennzeichnen Trockenfallhöhen: Der Wert gibt an, wie hoch die Stelle bei Kartennull über dem Wasser liegt. Solche Bereiche fallen bei Niedrigwasser trocken.
Woran erkenne ich die Art des Grundes?
An den Abkürzungen neben den Tiefenzahlen, etwa S für Sand, M für Schlick oder R für Fels. Für die Ankerplatzwahl ist diese Angabe entscheidend, weil nicht jeder Grund gleich gut hält.
Wie halte ich meine Karten aktuell?
Über die Nachrichten für Seefahrer des BSH und die Bekanntmachungen für Seefahrer. Verlagerte Tonnen, neue Untiefen und geänderte Feuerkennungen werden dort laufend veröffentlicht.
Quellen
- Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) – Karte 1 / INT 1: Zeichen, Abkürzungen und Begriffe in deutschen Seekarten. https://www.bsh.de/DE/PUBLIKATIONEN/_Anlagen/Downloads/Karten_Buecher/Karte1-INT1.html ↩
- ELWIS – Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung. https://www.elwis.de/DE/Sportschifffahrt/Sportschifffahrt-node ↩