Funk & Kommunikation

Seefunk

Wer eine UKW-Seefunkanlage an Bord bedienen will, braucht das Short Range Certificate (SRC), für Grenz- und Kurzwelle sowie Satellitenkommunikation das Long Range Certificate (LRC). Beide Prüfungen verlangen neben Theoriewissen zum GMDSS auch die praktische Bedienung der Funkanlage und sichere Kenntnisse im Funkenglisch.

GMDSS im Überblick

Das GMDSS (Global Maritime Distress and Safety System) ist das weltweite Seenot- und Sicherheitsfunksystem. Es verbindet UKW-, Grenz- und Kurzwellenfunk mit Satellitenkommunikation und automatisierten Alarmierungsverfahren, damit ein Notruf von jedem Punkt der Weltmeere empfangen werden kann. Die Ozeane sind dafür in Seegebiete eingeteilt: In Küstennähe (Seegebiet A1) genügt UKW, für weltweite Fahrt kommen Grenz- und Kurzwelle sowie Satellitensysteme hinzu.

Für Wassersportler ergibt sich daraus die Aufteilung der Funkzeugnisse: Das Short Range Certificate (SRC) berechtigt zur Bedienung von UKW-Seefunkanlagen mit GMDSS-Funktionen, das Long Range Certificate (LRC) erweitert diese Berechtigung auf alle Seegebiete. Wichtig zu wissen: Eine Funkanlage an Bord verpflichtet - wer eine Seefunkstelle betreibt, muss das passende Funkzeugnis besitzen, unabhängig davon, ob die Anlage tatsächlich benutzt wird.

DSC und Notalarmierung

Kernstück moderner Seefunkanlagen ist der DSC-Controller (Digital Selective Calling). Jede Funkstelle ist über ihre neunstellige MMSI eindeutig identifizierbar und kann digital gezielt angerufen werden. Auf UKW läuft der DSC-Anruf über Kanal 70, der ausschließlich diesem Zweck vorbehalten ist.

Im Seenotfall wird der DSC-Notalarm über die rote Distress-Taste ausgelöst - bei angeschlossenem GPS automatisch mit Position und Uhrzeit. Anschließend folgt der Notverkehr im Sprechfunk auf Kanal 16: dreimal MAYDAY, Schiffsname, Rufzeichen und MMSI, Position, Art des Notfalls, benötigte Hilfe und Anzahl der Personen an Bord. Dieser Ablauf muss in der Prüfung auswendig und in englischer Sprache beherrscht werden.

Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr

Der Sprechfunk kennt drei Vorrangstufen. MAYDAY leitet den Notverkehr ein und ist Fällen vorbehalten, in denen ein Fahrzeug oder Menschenleben in unmittelbarer Gefahr sind. PAN PAN kennzeichnet den Dringlichkeitsverkehr, etwa bei Maschinenausfall ohne unmittelbare Gefahr oder einem medizinischen Problem an Bord. SÉCURITÉ leitet Sicherheitsmeldungen ein, zum Beispiel nautische Warnnachrichten oder Starkwindwarnungen.

Die Rangfolge ist prüfungsrelevant: Notverkehr hat Vorrang vor allem anderen Funkverkehr, danach folgen Dringlichkeits- und Sicherheitsverkehr vor dem Routineverkehr. Kanal 16 ist der internationale Not-, Dringlichkeits- und Anrufkanal - Routinegespräche werden nach dem Anruf auf einen Arbeitskanal verlegt. Wer einen Notruf mithört, muss Funkstille einhalten und darf den Notverkehr nicht stören; die Leitung des Notverkehrs liegt bei der koordinierenden Küstenfunkstelle oder Rettungsleitstelle.

NAVTEX, EPIRB und SART

Zum GMDSS gehören neben dem Sprechfunk weitere Komponenten, die in der Prüfung sicher zugeordnet werden müssen. NAVTEX ist ein automatisierter Empfangsdienst für nautische Warnnachrichten, Wetterberichte und Suchmeldungen, der international auf 518 kHz in englischer Sprache ausgestrahlt wird.

Die EPIRB ist eine Seenotfunkbake, die auf 406 MHz über das Cospas-Sarsat-Satellitensystem alarmiert und die Rettungskräfte zur Unglücksposition führt. Der SART (Search and Rescue Transponder) antwortet auf Radarimpulse und macht eine Rettungsinsel oder ein Wrack auf den Radarschirmen von Suchfahrzeugen als markante Punktreihe sichtbar. Alle drei Systeme arbeiten unabhängig vom Sprechfunk und ergänzen die DSC-Alarmierung.

Funkenglisch und Buchstabieralphabet

Die internationale Sprache des Seefunks ist Englisch. Geprüft werden die Standardredewendungen der Seefahrt und die Fähigkeit, Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen auf Englisch abzusetzen, aufzunehmen und ins Deutsche zu übertragen. Dazu kommt das internationale Buchstabieralphabet von Alfa bis Zulu, das für Schiffsnamen, Rufzeichen und unklare Begriffe verwendet wird.

Diese Fertigkeiten lassen sich nur durch Übung festigen. Der Funkspruch-Trainer simuliert typische Prüfungsmeldungen, im Lernbereich stehen die Fragenkataloge zum systematischen Training bereit.

SRC- und LRC-Prüfung

Die SRC-Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. In der Theorie werden ein Fragebogen sowie Übersetzungsaufgaben bearbeitet: eine englische Funkmeldung aufnehmen und übertragen sowie eine Meldung auf Englisch abfassen. Im praktischen Teil wird die Bedienung der Funkanlage geprüft - Notalarm mit dem DSC-Controller auslösen, Notmeldung absetzen, Routineanrufe abwickeln und Kanäle korrekt wählen. Alle Details: SRC-Prüfung.

Das LRC erweitert das SRC um Grenz- und Kurzwellenfunk (MF/HF) sowie Satellitenkommunikation und ist für Fahrten außerhalb der UKW-Reichweite erforderlich, etwa bei Ozeanpassagen. Entsprechend kommen in der LRC-Prüfung zusätzliche Geräte- und Verfahrenskenntnisse hinzu. Wer beide Zeugnisse plant, legt sinnvollerweise zuerst das SRC ab - die Inhalte bauen direkt aufeinander auf.

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