Navigation & Gewässerkunde

Gewässerkunde für den SBF mit Schwerpunkt See

Die Gewässerkunde ist ein Schwerpunktthema des SBF See und umfasst das Verständnis von Gezeiten, Gezeitenrechnung, Strömungsverhältnissen und Seegebieten. Für den SBF Binnen spielen Flussdynamik und Hochwasserlagen eine Rolle. In der Prüfung werden vor allem Gezeitenaufgaben, Fahrwasserkenntnisse und das Lesen von Gezeitentafeln abgefragt.

Gewässerkunde – Prüfungswissen mit Schwerpunkt SBF See

Die Gewässerkunde gehört zu den anspruchsvollsten Themen im SBF See und erfordert ein solides Verständnis physikalischer Zusammenhänge. Während beim SBF Binnen Grundkenntnisse über Binnenreviere und Flussdynamik genügen, müssen See-Prüfungskandidaten Gezeiten berechnen und Strömungsverhältnisse einschätzen können.

Gezeiten – Ebbe und Flut (SBF See)

Die Gezeiten entstehen durch die Anziehungskräfte von Mond und Sonne auf die Wassermassen der Erde. Der Mond übt den größeren Einfluss aus. Es gibt täglich zwei Hochwasser und zwei Niedrigwasser mit einem Zeitabstand von etwa 12 Stunden und 25 Minuten. Prüfungsrelevante Begriffe sind: Hochwasser (HW), Niedrigwasser (NW), Tidenhub (Differenz zwischen HW und NW), Flut (steigendes Wasser) und Ebbe (fallendes Wasser). Die Springtide tritt bei Voll- und Neumond auf, wenn Mond und Sonne in einer Linie stehen – der Tidenhub ist dann besonders groß. Die Nipptide tritt bei Halbmond auf, wenn Mond und Sonne im rechten Winkel zueinander stehen, und erzeugt einen geringeren Tidenhub.

Gezeitenrechnung (SBF See)

Die Gezeitenrechnung ist ein fester Bestandteil der theoretischen See-Prüfung. Mithilfe der Gezeitentafeln lassen sich Hoch- und Niedrigwasserzeiten sowie Wasserstände für bestimmte Orte und Zeitpunkte berechnen. Prüfungsrelevant sind die Begriffe Kartennull (LAT – Lowest Astronomical Tide) als Bezugsniveau der Seekarten, die Berechnung der aktuellen Wassertiefe (Kartentiefe plus Gezeitenhöhe) und die Zwischenwertberechnung mit der Zwölftel-Regel. Die Zwölftel-Regel besagt, dass das Wasser in sechs Stunden in folgender Verteilung steigt oder fällt: 1/12, 2/12, 3/12, 3/12, 2/12, 1/12. Damit lässt sich der Wasserstand zu jedem Zeitpunkt zwischen HW und NW näherungsweise bestimmen.

Seegebiete, Fahrwasser und Tonnenstrich (SBF See)

Für die See-Prüfung müssen die Seegebiete vor der deutschen Küste bekannt sein: Nordsee mit Wattenmeer, Flussmündungen und Inseln sowie Ostsee mit Förden, Boddengewässern und Sunden. Das Fahrwasser wird durch das Lateralsystem IALA-A gekennzeichnet. Der Tonnenstrich in der Seekarte zeigt den Verlauf des Fahrwassers. Prüfungskandidaten müssen Seekartenausschnitte lesen und die Bedeutung der eingezeichneten Tonnen, Leuchtfeuer und Tiefenlinien interpretieren können. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Sperrgebieten, Naturschutzgebieten und Verkehrstrennungsgebieten.

Strömungen auf See (SBF See)

Strömungen beeinflussen die Kursberechnung und Fahrtplanung erheblich. An der deutschen Küste sind vor allem Gezeitenströmungen relevant, die mit Flut und Ebbe ihre Richtung wechseln. Im Wattenmeer können Strömungsgeschwindigkeiten von mehreren Knoten auftreten. In Seekarten sind Strömungspfeile eingezeichnet, die Richtung und Stärke angeben. Prüfungsrelevant ist die Berücksichtigung der Strömung bei der Kursberechnung: Der zu steuernde Kurs weicht vom Kartenkurs ab, wenn eine Querströmung wirkt.

Binnengewässer – Flussdynamik und Hochwasser (SBF Binnen)

Für den SBF Binnen sind Grundkenntnisse zur Flussdynamik wichtig. In Flüssen ist die Strömungsgeschwindigkeit in der Flussmitte am größten und an den Ufern am geringsten. In Kurven drückt die Strömung nach außen, weshalb an der Außenseite die Wassertiefe größer ist. Bei Hochwasser gelten besondere Vorschriften: Häufig werden Schifffahrtssperren verhängt, die Strömung nimmt erheblich zu und Treibgut stellt eine zusätzliche Gefahr dar. Binnenschipper müssen Pegelstände beachten und bei Erreichen der Höchstschifffahrtswasserstände (HSW) die Fahrt einstellen.

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