Segeln
Wer den SBF Binnen unter Segel oder den SKS anstrebt, muss die Segeltheorie sicher beherrschen. Geprüft werden die Kurse zum Wind, Manöver wie Wende und Halse, die Ausweichregeln unter Segel sowie das richtige Verhalten bei zunehmendem Wind. Im Binnen-Fragenkatalog gibt es dafür eigene Segelfragen, dazu kommt eine praktische Prüfung auf dem Segelboot.
Kurse zum Wind und scheinbarer Wind
Die Kurse zum Wind sind das Fundament der Segeltheorie. Hoch am Wind segelt ein Boot mit etwa 45 Grad zur Windrichtung so dicht am Wind wie möglich, bei halbem Wind kommt der Wind genau von der Seite, bei raumem Wind schräg von achtern und auf Vorwindkurs direkt von hinten. Direkt gegen den Wind ist Segeln nicht möglich: Im sogenannten Im-Wind-Stehen killen die Segel und das Boot verliert die Fahrt. Ziele in Luv werden deshalb durch Aufkreuzen erreicht, also durch abwechselnde Am-Wind-Kurse mit Wenden. Eine ausführliche Darstellung bietet der Wiki-Artikel Kurse zum Wind.
Auf das Segel wirkt dabei nicht der wahre, sondern der scheinbare Wind: die Überlagerung aus wahrem Wind und Fahrtwind. Auf Am-Wind-Kursen ist der scheinbare Wind stärker und fällt vorlicher ein, auf raumen Kursen ist er schwächer und achterlicher. Für die Prüfung wichtig: Segelstellung und Verklicker richten sich immer nach dem scheinbaren Wind.
Segelstellung und Trimm
Die Grundregel für die Segelstellung lautet: Segel so weit fieren, bis das Vorliek zu killen beginnt, anschließend so weit dichtholen, bis das Killen gerade aufhört. Auf Am-Wind-Kursen werden die Segel dicht genommen, auf raumen Kursen entsprechend weit gefiert. Windfäden im Vorsegel helfen, die Anströmung zu kontrollieren.
Zum Feintrimm gehören Großschot, Traveller und die Schotführung der Fock. Die Großschot bestimmt den Anstellwinkel des Großsegels und die Spannung im Achterliek. Der Traveller verschiebt den Angriffspunkt der Großschot quer zum Boot: Nach Luv geholt bleibt das Segel auch bei offenem Winkel angestellt, nach Lee gefahren wird Druck aus dem Segel genommen. Bei der Fock bestimmt die Position des Holepunkts, wie sich die Spannung auf Achterliek und Unterliek verteilt.
Wende und Halse
Bei der Wende dreht das Boot mit dem Bug durch den Wind auf den neuen Am-Wind-Kurs. Der Ablauf folgt festen Kommandos: Auf die Ankündigung „Klar zum Wenden?" antwortet die Crew mit „Ist klar", dann folgt das Ausführungskommando „Ree!". Während das Boot durch den Wind dreht, wird das Vorsegel auf der neuen Leeseite dichtgeholt.
Die Halse ist der Richtungswechsel vor dem Wind: Hier dreht das Heck durch den Wind. Vor dem Übergehen des Großbaums wird die Großschot dichtgeholt, damit der Baum kontrolliert auf die neue Seite kommt, danach wird sie zügig wieder gefiert. Gefürchtet ist die Patenthalse, eine ungewollte Halse auf Vorwindkurs, bei der der Großbaum unkontrolliert über das Boot schlägt - mit erheblicher Verletzungsgefahr für die Crew. Ablauf und Kommandos beider Manöver erklärt der Artikel Wende und Halse.
Ausweichregeln unter Segel
Für Segelfahrzeuge untereinander gilt Regel 12 der Kollisionsverhütungsregeln (KVR). Haben zwei Segelfahrzeuge den Wind auf verschiedenen Seiten, muss das Fahrzeug mit Wind von Backbord ausweichen. Haben beide den Wind auf derselben Seite, weicht das luvwärtige dem leewärtigen Fahrzeug: Luv weicht Lee. Kann ein Fahrzeug mit Wind von Backbord nicht sicher erkennen, auf welcher Seite das andere den Wind hat, muss es ebenfalls ausweichen.
Eine beliebte Prüfungsfrage: Ein Segelboot, das zusätzlich mit Maschine fährt, gilt als Maschinenfahrzeug und muss am Tag einen schwarzen Kegel mit der Spitze nach unten führen. Die Segel-Ausweichregeln gelten dann nicht mehr. Eine Übersicht aller Konstellationen bietet der Artikel Ausweichregeln unter Segel.
Reffen und Verhalten bei zunehmendem Wind
Reffen bedeutet, die Segelfläche zu verkleinern, um Krängung und Ruderdruck zu reduzieren. Die alte Faustregel gilt unverändert: Wer ans Reffen denkt, sollte reffen - und zwar rechtzeitig, solange das Manöver noch gefahrlos möglich ist. Je nach Ausrüstung kommen Bindereff, Einleinenreff oder Rollreffanlagen zum Einsatz; das Vorsegel wird gewechselt oder eingerollt.
Bei weiter zunehmendem Wind helfen zusätzliche Maßnahmen: in Böen kurz anluven oder die Schoten fieren, um Druck abzubauen, Luken schließen, lose Ausrüstung sichern und die Crew mit Rettungswesten und gegebenenfalls Lifebelts ausstatten. Ein gerefftes, aufrecht segelndes Boot ist schneller und sicherer als ein überpowertes Boot mit starker Krängung.
Prüfungsrelevanz
Im amtlichen Fragenkatalog für den SBF Binnen sind 47 spezifische Segelfragen enthalten, die nur beantworten muss, wer den Schein unter Segel erwerben will. Sie decken genau die hier beschriebenen Themen ab: Kurse zum Wind, Trimm, Manöver, Ausweichregeln und Verhalten bei Starkwind. Dazu kommt eine praktische Prüfung auf dem Segelboot, in der Manöver wie Wende, Halse und Aufschießer sicher gezeigt werden müssen. Alle Anforderungen im Detail: Prüfung SBF Binnen unter Segel.
Für den Sportküstenschifferschein (SKS) wird die Segeltheorie vertieft und auf Yachten übertragen: Dort sind Manöver unter Segel, Reffen und das Verhalten bei schwerem Wetter Teil der praktischen Prüfung im Küstenbereich.
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